• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Sollte man Straßenbettlern Geld geben?

17.12.2016

Oldenburg Vorweihnachtszeit ist Bettelzeit: Ob in der Langen Straße, Achternstraße oder im Elisengang – wer kurz vor Weihnachten durch die Innenstadt läuft, kennt die Situation. Bettler bitten die Vorbeilaufenden um Geld. Doch wie soll man sich verhalten? Öffnet man die Geldbörse und gibt Bares ab? Schüttelt man den Kopf und geht weiter? Hilft man damit einem Menschen in Not, oder unterstützt man dadurch eventuell eine Alkoholsucht oder sogar kriminelle Banden?

„Es gibt keine Faustregel, die immer passt“, so Anja Kramer, Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirche, „es kann nur jeder für sich entscheiden.“ Wer helfen will, solle denjenigen wahrnehmen und eventuell fragen, was er benötigt. Ob das ein Kaffee, ein Brötchen oder Geld ist, kann man so herausfinden. Das Kleingeld könne dann auch für eine günstige Mahlzeit im Tagesaufenthalt für Wohnungslose der Diakonie ausgegeben werden.

Gespräche schenken

Doch wer sich dafür entscheidet, etwas in den Hut zu werfen, hat keinen Einfluss darauf, ob das Geld für eine eventuelle Sucht oder für das tägliche Leben ausgegeben wird, sagt Heinz-Hermann Buse, Kreisgeschäftsführer der Diakonie Oldenburg. Egal wofür das Bargeld eingesetzt wird, feststeht: „Die Menschen haben einen Leidensdruck.“ Sie setzen sich in die Fußgängerzone und machen sich somit angreifbar, so Buse. Wenn man nichts geben kann oder will, freuen sich laut Kramer auch viele Menschen, wenn man einfach mit ihnen spricht.

Aggressives Betteln

Rein rechtlich gesehen dürfen Bettler in der Innenstadt um Geld bitten. „Die stören sozusagen keinen und belästigen niemanden“, sagt Stadtsprecher Reinhard Schenke. Doch es soll auch Banden und Abzocker in Oldenburg geben. „Unsere Obdachlosen sind meistens nicht die aggressiven Bettler,“ so Stephan Klatte, Pressesprecher der Polizeiinspektion. Oft reisten regionale Gruppe von Stadt zu Stadt und tauchten gerne zu den Weihnachtsmärkten auf.

kommentar

Mit Herz

und Verstand

Armut hat viele Gesichter – Bettler am Straßenrand sind eine Facette. Was auch immer der Grund sein mag: Freiwillig und gern setzt sich niemand auf den Boden und bettelt um Geld.

Es ist Zeichen von einem ganz natürlichen Mitgefühl, nicht achtlos an diesen Menschen vorbeizugehen. Und die vorweihnachtliche Stimmung in diesen Tagen fördert die Neigung, ein paar Münzen in den hingehaltenen Pappbecher zu werfen.

Andererseits ist es erlaubt, die Erwartung der Bettler mit dem Verstand zu bedenken. Wir leben erfreulicherweise in einer Gesellschaft, die eine Minimalversorgung sicherstellt, auch wenn der Geldbeutel leer ist. Das allernötigste muss in der Regel nicht erbettelt werden.

Es ist oft unklar, ob erbetteltes Geld sinnvoll ausgegeben wird. Auch kriminelle Banden sind unterwegs. Wer sein Portemonnaie aufgrund dieser Zweifel verschlossen hält, muss sich dafür nicht rechtfertigen. Es gibt gute Gründe, nichts in den Hut zu werfen.

Vielfach sorgen sich Anlaufstellen um Notleidende. Aufgrund ihrer Erfahrung können sie oft gut einschätzen, welche Hilfe nötig ist. Diese Initiativen und Einrichtungen sind dankbar für jede Unterstützung. Es ist sinnvoll und nötig, dass möglichst viele Geldgeber hier aktiv werden – dafür sprechen Herz und Verstand.

Den Autor erreichen Sie unter

Aggressives Betteln wird dann von dem erlaubten Betteln unterschieden: Ansprechen ist kein Problem, aber anfassen oder sich den Passanten in den Weg stellen ist verboten.

Erst in dieser Woche habe eine Gruppe Platzverweis vom Lambertimarkt bekommen, berichtet Schenke. Getarnt als nette Geste, sollen sie den Weihnachtsmarktbesuchern Rosen hingehalten haben. Sobald die Passanten die Blumen in die Hand nahmen, wurde Geld verlangt – fünf Euro. „Da sind wir eingeschritten.“

Andere Bettler versuchen es durch Mitleid: Sie täuschen zum Beispiel eine Behinderung vor, um somit mehr Geld zu erhaschen, so Klatte. Doch die Experten sind sich einig: Ein Patentrezept wie man die ehrlichen Menschen in Not von den Betrügern und aggressiven Bettlern unterscheidet, ist für Innenstadtbesucher nicht gegeben und sie sollen es situationsgebunden selbst entscheiden.

Anna-Lena Sachs
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.