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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Blaulicht

Wenn das Wasser bis zum Halse steht

25.10.2016

Wechloy Mitten in der Nacht rollte von der Nordsee eine gewaltige Flutwelle die Elbe hinauf auf die Hansestadt zu, zerstörte die Deiche und Menschenleben: Die Sturmflut im Februar 1962, von der weite Teile des Nordens betroffen waren, gehört zu den größten Naturkatastrophen des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Am schlimmsten traf es Hamburg.

„Wir haben den Auftrag bekommen, die Menschen aus ihren Häusern vor dem Ertrinken zu retten.“ Der Wechloyer Heinz Kaper war damals als Ausbilder im Versorgungsbataillon 3/76 in Hamburg Fischbek stationiert, die mit 60 Kameraden die größte und nächste Kompanie am Ort des Geschehens war. Der damalige Innensenator Helmut Schmidt ordnete den Bundeswehreinsatz an – und verstieß damit gegen das Grundgesetz. 1962 waren der Wehr Inneneinsätze verboten. Aber in der Nacht von jenem 17. Februar ging es um Leben und Tod.

„Wir fuhren mit Lastwagen zum Einsatz. Irgendwann kamen wir aber nicht mehr weiter und mussten zu Fuß gehen“, sagt der 78-jährige.

Mit seiner Kompanie befreite der Berufssoldat Menschen aus ihren überfluteten Häusern. Besonders betroffen war der Stadtteil Wilhelmsburg. An eines der Flutopfer erinnert sich Kaper noch genau. „Nachdem ich eine ältere Frau auf dem Laster absetzte und ihr sagte, dass sie wieder im Trockenen sei, bat sie mich, ihre zwei kleinen Hunde zu retten.“ Unbeirrt kehrte er zu dem Haus zurück. Mittlerweile stand ihm das Wasser buchstäblich bis zum Halse, was ihn nicht daran hinderte, die Tiere zu suchen – um sie dann der erleichterten Hamburgerin in die Arme zu geben.

„Das Wasser war eiskalt, aber das hat man in dem Moment gar nicht gemerkt. Für mich zählte nur Leben zu retten. Von überall hörten wir Hilferufe. Es waren aber einfach zu viele und wir kamen nicht mehr hinterher. Wenn es still wurde, wussten wir, dass es jemand nicht geschafft hatte“, erinnert sich der damalige Soldat.

Elf Menschen hat Heinz Kaper damals vor dem Tod gerettet. Bei seinem zwölften Einsatz in der Flut bezahlte er fast selbst mit seinem Leben: Das Wasser war mittlerweile so hoch angestiegen, dass eine Rückkehr zu seinen Kameraden unmöglich war. Kaper konnte sich an einem Schornstein anseilen und verharrte dort mehr als 24 Stunden. Von Minute zu Minute sank seine Hoffnung auf eine Rettung. Schließlich fand man ihn doch und brachte ihn in Sicherheit.

315 Todesopfer forderte die Sturmflut. Tausende verloren ihr Hab und Gut oder wurden obdachlos. Für Zeitzeugen ist das verheerende Ereignis unvergesslich. Für Heinz Kaper, der nach dem Einsatz zurück nach Bremervörde, wo er vorher stationiert war, kehrte, ging das Leben weiter. Er heiratete und bekam zwei Söhne, zog wieder nach Oldenburg, wo er bis heute in Wechloy wohnt. Erinnern wird sich der ehemalige Berufssoldat an jenen Februar bis ans Ende seiner Tage.

Die Lebensrettungsmedaille der Hansestadt, die ihm im Frühjahr 1962 der damalige Oberbürgermeister Paul Nevermann überreichte, und ein Erinnerungsbuch sind für die Nachfahren Geschichte zum Anfassen geworden. „Die möchte ich für meine Enkel aufbewahren“, schwor sich Kaper. Heute muss Opa oft von der großen Flut erzählen. Als Held fühlt sich der 78-Jährige noch immer nicht.

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