Bloherfelde/Haarentor - Viele Allgemeinmediziner und Zahnärzte waren im Krieg geblieben oder kamen recht spät aus der Gefangenschaft zurück. Für so manch einen war ein Arzt schwer erreichbar, doch insgesamt blieb das Gesundheitswesen nach dem Zweiten Weltkrieg in Oldenburg halbwegs geregelt. Die Besatzungstruppen haben dazu viel beigetragen, erinnert sich Karl-Heinz Bonk: „In den Schulen erfolgten regelmäßige Gesundheitskontrollen und Gewichtsüberprüfungen. Gleich nach Kriegsschluss mussten sich alle Schüler einer Haarkontrolle unterziehen lassen mittels einer standartgemäßen Pulverbestäubung gegen Flöhe. Ein Zahnarzt schickte infektiöse Kinder zur Weiterbehandlung zu einem Arzt.
Doch auch daheim gab es schon mal Wehwehchen, die aber damals viel weniger ängstlich behandelt und betrachtet wurden als heute. „Erst wenn Not ist, zum Arzt!“ hieß es bei uns. Hatte man einmal einen blutigen Finger oder eine kleine Wunde, dann hieß es: „Steck’ den Finger in den Mund und Spucke drauf!“ Kam jemand mit einer Beule oder einem blauen Fleck heim, strich Mutter darüber und meinte tröstend: „Wird schon wieder, mein Kind!“ Damals hörte man immer: „Man blärrt doch nicht gleich!“ Heulen und Jammern waren verpönt. Und meistens war es ja auch so: „Morgen ist alles wieder gut!“
Gleich nach dem Krieg brach ich mir vom Absprung von einem Pferdefuhrwerk ein Bein. Nun musste ich doch zum Doktor und meine Mutter holte den alten Kinderwagen wieder her, obwohl ich doch schon längst kein Baby mehr war. Im Kinderwagen sitzend schob mich Mutter nun zu einem Arzt in der Stadt. Wie habe ich mich vor allen anderen Kindern geschämt. Doch später mit dem Gipsbein, wieder im Kinderwagen heimgeschoben, war ich bis über die Ohren stolz. Ein nagelneues Gipsbein, das war doch mal etwas ganz Besonderes.
Kam ich ein andermal nach Hause und klagte: „Mama, mein Kopf tut mir weh!“, dann kam erst mal: „Was hast Du nun schon wieder angestellt!“ Doch dann kam Mutter mit einem kühlen Tuch und legte es mir in den Nacken oder auf die Stirn. Dazu kam dann der strikte Befehl: „Aber nun wird sich hingelegt!“ Das war nun eine Strafe, denn wir waren nun mal auf das draußen Rumtoben eingestellt.
Im Sommer liefen wir fast immer barfuß rum und in kurzen Hosen, manchmal sogar ohne Hemd. Doch im Winter wurde es problematisch. Wir bekamen dicke Wollstrümpfe, in denen man schnell schwitzte. Schon nach kurzem Tragen duftete man weithin. Doch viel schlimmer waren die Wollhemden aus Schafwolle, mit denen man nicht fror, aber sie kratzten gewaltig auf der Haut.
