Bloherfelde/Haarentor - In mehreren Beiträgen hat Karl-Heinz Bonk, aufgewachsen am Uhlhornsweg, in dieser Serie an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Im Folgenden schreibt er über die Weihnachtszeit des Friedensjahres 1947:
„Der Krieg war fast vergessen und die Schule hatte wieder begonnen. Dem Sommer folgte ein bunter Herbst. Wir Kinder genossen den Alltag und den Frieden. Im Herbst stoben wir durch das Laub, das uns in allen Farben verzauberte. Und dann folgte die Weihnachtszeit. In der Schule wurde an jedem Wochenbeginn ein Weihnachtslied angestimmt. Und wenn wir morgens zur Schule gingen , hatte sich oft glitzernder Raureif auf die Sträucher gelegt. An einigen tiefen Regentraufen entdeckten wir Eiszapfen, die wir dann als Lutschstange benutzten.
Unsere Mutter hatte stets viel zu tun, aber jetzt verzauberte sie unsere Küche in eine Bäckerstube, wo wir fleißig mithelfen durften. Wir durften den Teig rühren, kneten, Sterne ausstechen, rollen und die kleinen Kuchen mit Puderzucker bestreuen. Mehrmals ermahnte uns Mutter, den noch rohen Teig nicht einfach zu stibitzen. Dann duftete es so schön. Die fertigen Kuchen verschwanden in einer Dose und blieben bis zum Fest weggeschlossen. Das alles geschah voll fröhlicher Herzen und wir sangen mit Mutter fröhliche Weihnachtslieder. Unser Vater war aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, hatte aber zunächst noch keine feste Arbeit. Nun bastelte er Kinderspielzeug und fertigte Holzsandalen, die er dann verkaufte. Manchmal durften wir Vater helfen beim Nachschleifen und Anmalen. So lernten wir schon früh, uns handwerklich zu betätigen. Das alles geschah oft beim Flackern der Petroleumlampe. Elektrischen Strom gab es nur auf Zuteilung.
Draußen war es sehr kalt und manchmal schon zauberhaft verschneit. Daheim gab es immer etwas zu tun und Weihnachten rückte immer ein wenig näher. Die Eltern wussten vom Nikolaus und dem Weihnachtsmann zu erzählen und unsere Herzen begannen zu pochen.
Etwa eine Woche vor dem Fest, zogen mein Vater und mein Bruder – bewaffnet mit Säge und Axt – los, Stunden später kehrten sie zurück. Vater trug die Tanne hinten am Stamm, mein Bruder die Tannenspitze. Doch die „besorgte” Tanne verschwand in der folgenden Nacht aus unseren Augen.
Zum Ferienbeginn hatte der Lehrer noch eine wunderbare Weihnachtsgeschichte vorgelesen und dann stoben wir durch den Schnee nach Hause. Mein Freund Hans rief noch: „Ich krieg ein Auto, was allein fährt!“
Daheim stand Butter in der Küche. Zu Weihnachten wollen wir etwas Gutes essen. Aber zunächst putzte und fegte Mutter durchs ganze Haus und wir mussten mit anfassen. Der Hof musste gefegt werden und die Diele frei sein. Alle Tiere bekamen saubere Ställe und eine Extraportion Futter. Die Katze spürte wohl die besondere Gabe und strich die ganze Zeit um unsere Beine. Von Mutter kam: „Denkt daran, jeder muss ein Gedicht aufsagen können, und übt auch noch ein Weihnachtslied! Ihr wisst schon ...“
