Oldenburg - Hat die Liebe eine Zukunft? Ja, meinen Stephan Müller und seine Mitstreiter. Ihnen geht es allerdings nicht in erster Linie um das Gefühl, sondern um das Börteboot „Die Liebe“. Seit die „Marianne“ 2018 in der Hunte gesunken ist, liegt das baugleiche Zwillingsboot auf dem Trockenen, derzeit auf dem Fliegerhorst. Doch eine Gruppe von Liebhabern der Schiffskultur will das ändern.
Im Juli 2018 versank das Börteboot „Marianne“ im trüben Wasser der Hunte. An Bord waren zu dem Zeitpunkt eine 27-köpfige Reisegruppe aus Vlotho in Nordrhein-Westfalen, eine Bootsfrau und der Kapitän. Glücklicherweise kamen alle unverletzt davon. 80 Einsatzkräfte waren an den Rettungsmaßnahmen und an der Versorgung der Passagiere beteiligt.
Im Nachgang hieß es, dass sich das Ausflugsboot in einem nicht tauglichen Zustand befunden habe. Dies hatte das Gutachten eines Sachverständigen ergeben.
Das Angebot der Fahrten mit dem Börteboot über Hunte und Küstenkanal gibt es seit dem Vorfall in Oldenburg nicht mehr.
Müller kam nach dem Bootsunfall in Kontakt mit der „Liebe“, weil der gelernte Kapitän als Havarie-Kommissar (also Sachverständiger) im Auftrag der Versicherung an der Aufarbeitung des Unglücksfalls mitwirkte. Am Schluss wurde das Unternehmen City Sailing, das die Ausflugsfahrten bis 2018 organisiert hatte, liquidiert. Das war das vorläufige Ende des beliebten touristischen Angebots auf Hunte und Küstenkanal.
Schiffskultur bewahren
„Ich fand das sehr schade“, berichtet der 37-Jährige. Und er traf andere Oldenburger, mit denen er sich Gedanken machte, wie man dieses Stück Schiffskultur bewahren kann. Corona zog zwar alles in die Länge. Ende vergangenen Jahres konnte dann jedoch der Verein „Hol Över“ (ein plattdeutscher Ruf an den Fährmann) eingetragen werden. Sein Ziel ist es, die „Liebe“ wieder bereit für den Einsatz auf dem Wasser zu machen und die Ausflugsfahrten im kommenden Jahr wieder aufzunehmen.
Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Denn damit die „Liebe“ nicht so endet wie die „Marianne“, muss das Boot erst einmal grundsaniert werden. „Im ersten Schritt müssen wir es entlacken, um wirklich alle Schäden erkennen zu können. Dann müssen wir die passende Werft finden.“ Infrage kommt etwa die Bootswerft Hatecke in Freiburg an der Elbe, aus deren Hallen die meisten Börteboote zum Übersetzen der Passagiere von den Fähren nach Helgoland stammen.
Dafür sind natürlich entsprechende finanzielle Mittel nötig. Ursprünglich hatten Müller und seine Mitstreiter mit 75.000 Euro kalkuliert. Die allgemeinen Kostensteigerungen machen sich jedoch auch hier bemerkbar. Mit etwa 95.000 Euro rechnet der Verein aktuell für die Sanierung. Daher wird es nun darum gehen, zahlende Mitglieder, Spender und Sponsoren als Unterstützer zu gewinnen.
Mit anpacken
Daneben hofft „Hol Över“ auf zahlreiche helfende Hände: Jeder, der sich mit Holz, mit Motoren oder mit Schiffen auskennt, kann mit anpacken. Auch für die Verbreitung im Internet, für die spätere Buchung und viele andere Aufgaben werden Helfer gesucht. Denn aktuell ist geplant, beim Betrieb des Börteboots auf Ehrenamtlichkeit zu setzen (Kontakt unter holoever@t-online.de).
Dann soll es die klassischen Ausflugs- und Charterfahrten geben. Doch auch das Staatstheater ist (wenn das Wortspiel erlaubt ist) mit im Boot und verfolgt die Idee, die „Liebe“ für Kulturangebote auf dem Wasser zu nutzen. Müller kann sich zudem Kooperationen mit der Wassersportschule Kruse und dem geplanten Restaurantschiff „MS Oldenburg“ vorstellen. „Wenn dort zum Beispiel ,Fish and Chips’ zubereitet werden, die wir dann auf dem Börteboot reichen, wäre das doch eine tolle Sache.“ Sofern das alles klappt, könnten die Oldenburger die „Liebe“ wieder sehr schnell für sich entdecken.
