Bürgerfelde - Eine tragende Rolle spielten sie alle: Rund 50 Ehrenamtliche räumten am Mittwoch Mobiliar und mehr aus der Jugendherberge, um alles auf einen 40-Tonner zu laden. Kommando: Alles muss raus. Denn die Tage der Herberge an der Alexanderstraße sind gezählt. Eine neue wird an der Straßburger Straße gebaut. Eröffnung soll im Oktober 2019 sein. Selbstverständlich mit neuen Möbeln.
Die Ausstattung der alten Jugendherberge sollte nun aber nicht auf dem Müll landen. Wäre doch viel zu schade, hatte sich Herbergsvater Jürgen Koopmann gesagt – und nicht lange gegrübelt, bis ihm die Rumänienhilfe Oldenburg-Rastede einfiel. Die könnte doch bestimmt so einiges für Hilfsprojekte in Satu Mare gebrauchen? „Klar, super“, reagierte Cordula Seeber, Schriftführerin des Vereins, auf Koopmanns Angebot. In der Rumänienhilfe rund um die Vorsitzende Inge Rekow war man sofort begeistert.
Helfer schnell gefunden
Freiwillige aus den eigenen Reihen für die Demontage der Möbel und das Verladen der großen Geschenke waren schnell gefunden. Und dazu gesellten sich am Mittwoch noch andere Helfer. Zum Beispiel die Männer vom Außendienst-Telekom-Service (ATS) 11 aus Oldenburg, Wilhelmshaven, Vechta und Bremen. „Der Vater unseres Chef engagiert sich in der Rumänienhilfe. Und der hat nach Unterstützung gefragt. Hier sind wir“, sagt Kay Süsens aus Bremen und schnappt sich ein Stück Bettgestell.
Zupackend sind auch die auffällig vielen Jugendlichen. „Die sind von meiner Schule“, erklärt Janek Koppitsch. Der 17-Jährige von der IGS Helene-Lange-Schule, der ein fünfmonatiges Praktikum in der Jugendherberge absolviert hat, hatte die Idee, auch Schulkameraden für den Umzug einzuspannen. „Ein guter Einfall“, fand man in der Rumänienhilfe. Ein Anfrage in der IGS, und die Sache war geritzt. Statt einer Doppelstunde Sport absolvierte die Klasse 9d mit ihrem Lehrer Radu Dragomir nun ein Training in der Jugendherberge. Heben, tragen, Treppen steigen. Das hält fit. Und zwar nicht nur die 22 Jugendlichen im Alter von 14 Jahren. Jung, alt und älter stärkte sich zwischendurch auch gern mit dem üppigen Frühstück, für das die Rumänienhilfe gesorgt hatte.
Deren Mitglieder waren schon seit der vergangenen Woche auf allen vier Ebenen in der Herberge am Wirken, um alles für das Verladen vorzubereiten. 104 Betten, 70 Schränke, 140 Matratzen und entsprechendes Bettzeug schleppte das große Helferteam auf Laster des rumänischen Transportunternehmens Pink. „Das gehört drei Brüdern, die ich in Satu Mare kennengelernt habe, als sie Messdiener in der Kirche waren“, erzählt Inge Rekow. Die Jungs sind längst gestandene Männer, haben sich mit ihrer Firma selbstständig gemacht und unterstützen nun wiederum die Rumänienhilfe.
1800 Kilometer bis Satu Mare: Das ist die Strecke, die die Geschenke aus Oldenburg vor sich haben. Dort freut man schon auf die Ankunft. Inge Rekow erklärt: „Die Caritas nimmt alles in ihr Lager auf und bringt es in die verschiedenen Projekte, die sie betreut, zum Beispiel Kinderheime, Altenheime und Internate. Das hier bedeutet eine riesige Hilfe.“
Etwas Wehmut
Den Überblick über den ganzen Umzugstrubel hat aber nicht nur die rührige Vereinsvorsitzende. Auch Herbergsvater Jürgen Koopmann dirigiert das große Helferteam in geregelte Bahnen. Und er packt auch mit an. Mal stapelt er auf dem Laster Matratzen, mal reicht er im Haus Möbel weiter. Endlich nimmt er sich die Zeit für einen Kaffee und wird dann doch ein bisschen wehmütig. 21 Jahre hat der 62-Jährige dieses Haus geleitet. Noch am letzten Öffnungstag im Oktober war es komplett belegt. Und nun kehrt Stille ein. „Ist schon komisch“, sagt Koopmann; auch dass er jetzt „nur“ noch eine Jugendherberge, nämlich die in Bremen, leitet.
Nun ist aber alles raus. Der Lkw-Fahrer startet den Motor. Und tschüss.
