Bürgerfelde - Es soll Ruhe einkehren auf dem St. Gertrudenkirchhof. Das hat sich die Ev. luth. Kirchengemeinde Oldenburg vorgenommen und sich dafür Hilfe von der Polizei und der Stadt geholt. Doch die Mühlen mahlen langsam. Seit vielen Jahren ist der Friedhof Treffpunkt für Suchtkranke und Obdachlose. Im Juni stellte die Kirchengemeinde an den Friedhofseingängen Schilder auf, die klar regeln, was erlaubt ist, und was nicht: unter anderem kein Alkohol- und Drogenkonsum, keine Vermüllung und ein Aufenthaltsverbot zwischen 20 und 6 Uhr.
Über Jahre entwickelt
Doch was hat sich getan? „Uns war klar, dass ein paar Schilder nichts an der Situation ändern würden, die sich über Jahre hinweg so entwickelt hat“, sagt Dr. Jobst Seeber, Vorsitzender der Kirchengemeinde Oldenburg. Und doch sagt Seeber, die Situation habe sich verbessert. „Manche Gruppen lassen sich gut ansprechen und mittlerweile wissen alle, dass der Konsum hier nicht gestattet ist“, sagt er. Trotzdem sei die Situation nach wie vor unbefriedigend. „Die Stadt hat einen Sozialarbeiter mit halber Stelle eingestellt. Der spricht die Menschen an, sucht das Gespräch. Oft ist er aber damit beschäftigt, Spritzen einzusammeln.“
Durch die Corona-Krise seien viele Anlaufstellen weggefallen. „Irgendwo müssen diese Menschen hin und da die Stadt kein Ausweichquartier hat, halten sie sich hier auf“, so Seeber. Die Kirche selbst könne ein solches Quartier nicht anbieten: „Die Diakonie ist vor Ort tätig und wir sind auch gerne bereit, aktiv zu werden. Nur hat die Kirche keine Flächen in geeigneten Lagen zur Verfügung“, erklärt Seeber.
Citywache auf Streife
Fast täglich laufe die Polizei auf dem Friedhof Streife. „Wenn wir die Personaldaten der Personen haben, die sich vor Ort aufhalten und Alkohol oder Drogen konsumieren, dann sprechen wir im Namen der Kirchengemeinde einen Platzverweis aus“, sagt Pastor Jens Kieseritzky, Vorsitzender des Friedhofausschusses.
Platzverweise sprechen auch die Beamten der Citywache im Namen der Kirchengemeinde aus. Wie Stephan Klatte, Pressesprecher der Oldenburger Polizei, erklärt, seien seit dem Aufstellen der Schilder im Juni 112 Platzverweise gegen Personen ausgesprochen worden. „Bei den Kontrollen seit der Aufstellung der Schilder wurde der Schwerpunkt auf Gespräche mit den Betroffenen gelegt und immer wieder erklärt, warum der Konsum von Alkohol und Drogen auf dem Gertrudenkirchhof nicht mehr gestattet ist“, sagt Klatte.
Hausfriedensbruch
Im engen Austausch mit dem Pastor der Kirchengemeinde werde aktuell dazu übergegangen, dass nun auch schriftliche Hausverbote seitens der Evangelischen Kirche erteilt werden, damit in Zukunft auch strafrechtlich gegen die Verursacher vorgegangen werden kann. Dies wird dazu führen, dass die Polizei in Kürze auch Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch einleiten wird. Bisher sei es jedoch noch nicht dazu gekommen.
Weiterhin von der Stadt geplant ist die Entzerrung des Bereichs: Sowohl das Café Caro als auch der Tagesaufenthalt für Obdachlose an der Ehnernstraße sollen im nächsten Jahr umziehen. „Davon wird hoffentlich auch der Gertrudenkirchhof profitieren“, sagt Stadtsprecher Reinhard Schenke.
