Oldenburg/Darwin - Militärische Bündnisse haben in diesen Zeiten wieder mehr an Bedeutung gewonnen. Im Ernstfall möchte niemand alleine dastehen. Die regelmäßigen Übungen der Bundeswehr gemeinsam mit internationalen Verbündeten sollen dazu beitragen, dass aus den Absichtserklärungen auch effektive Taten folgen können. Das passiert derzeit sogar am anderen Ende der Welt – mit einem Oldenburger in entscheidender Position.
2500 Soldatinnen und Soldaten aus 17 Nationen mit bis zu 100 Luftfahrzeugen waren in den vergangenen Wochen bei der Übung „Pitch Black“ (pechschwarz) dabei, die von der Darwin Air Force Base im Norden Australiens aus durchgeführt wurde. Sie wird alle zwei Jahre abgehalten. Zum ersten Mal war auch die Luftwaffe der Bundeswehr der Einladung der Australier gefolgt. Teile des Taktischen Luftwaffengeschwader 74 Neuburg an der Donau unter Führung des Kommodores Oberst Gordon Schnitger aus Oldenburg machten sich dafür auf die lange Reise.
Oberst Gordon Schnitger (51) wurde in Oldenburg geboren und machte sein Abitur am Herbartgymnasium (zu Beginn noch Hindenburgschule).
Nach der Schule wollte er eigentlich nur seine Wehrpflicht erfüllen, fand aber dann Gefallen an dem Beruf und blieb bei der Bundeswehr.
Seit 2019, nach verschiedenen Stationen bei der Luftwaffe, ist Schnitger Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders in Neuenburg an der Donau.
24 Stunden Zeit
Dabei hatte bereits der Weg auf die Südhalbkugel nichts von einer gemütlichen Urlaubsfahrt. Er gehörte für die Soldatinnen und Soldaten vielmehr bereits zum Training, berichtet Schnitger im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es ist Teil unseres Auftrags, unsere Geschwader schnell verlegen zu können.“ Daher wurde das Ziel ausgerufen, innerhalb von 24 Stunden im indopazifischen Raum aufzuschlagen. Sechs Eurofighter, drei Transportflugzeuge A400M plus Tankflugzeuge machten sich auf den rund 12.000 Kilometer langen Weg über Abu Dhabi und Singapur nach Australien. „Monsun, technische Defekte, die schwierige Luft-zu-Luft-Betankung – da gibt es viele Unwägbarkeiten“, berichtet Schnitger.
Besuch des stellvertretenden australischen Premierministers und Verteidigungsministers Hon Richard Donald Marles (links), hier mit Oberst Gordon Schnitger.
Jane Schmidt
Die Eurofighter der deutschen Luftwaffe waren zur Übung im australischen Darwin.
Timming
Flug mit Eurofightern über den Uluru (Ayers Rock). Rechts unten fliegt der Oldenburger Oberst Gordon Schnitger.
Christian Timming
Die Eurofighter der deutschen Luftwaffe waren zur Übung im australischen Darwin.
Jane Schmidt
Die Eurofighter der deutschen Luftwaffe waren zur Übung im australischen Darwin.
Jane Schmidt
Die Eurofighter der deutschen Luftwaffe waren zur Übung im australischen Darwin.
Jane SchmidtVor Ort ging es dann zunächst darum, mit den Partnern aus Nationen wie Indien, Indonesien, Japan, Singapur, Südkorea, USA, Frankreich und Großbritannien eine gemeinsame Sprache zu finden. Denn dass man sich auf Englisch verständigt, ist zwar klar. Doch ob man gerade im militärischen Bereich tatsächlich auch bei bestimmten Wörtern dieselben Dinge meint, ist ein wichtiger Faktor dafür, ob die Kommunikation im Ernstfall funktioniert.
Stärken und Schwächen
Entscheidend ist jedoch bekanntlich auf’m Platz – oder in diesem Fall in der Luft. „Wir konnten die Stärken des Eurofighters zeigen“, ist Schnitger überzeugt. Bei den gemeinsamen Übungen im australischen Luftraum hätten die deutschen Piloten zudem viele Erkenntnisse über das Potenzial der anderen Nationen sammeln können. „Jedes Flugzeug hat seine Stärken und seine Schwächen“, sagt der Oldenburger, der das nicht nur aus der Kommandozentrale heraus beurteilt hat. Denn der Chef flog auch selbst.
Der Blick nach links und rechts offenbart natürlich auch Dinge, die nicht gut laufen bei der Bundeswehr. Die Ausstattung ist seit Jahren ein Streitthema. Schnitger spricht von einem großen Nachholbedarf, was Material und Personal angeht. Das von der Bundesregierung aufgelegte Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro hat Hoffnungen geweckt, dass da etwas passiert. „Meine Wunschliste ist riesig“, sagt der Oldenburger.
Dennoch hat sich die deutsche Luftwaffe aus seiner Sicht in Australien gut präsentiert. „Auch von der örtlichen Bevölkerung wurde es wahnsinnig positiv aufgenommen, dass deutsche Soldaten den langen Weg auf sich genommen haben.“
