Oldenburg - Cannabis wird legalisiert: Das hat das Bundeskabinett bereits beschlossen. In Kraft treten soll das Gesetz im kommenden Jahr. In einem Alter über 18 Jahren soll dann der Besitz von 25 Gramm straffrei sein, beziehen können es Konsumenten über „Cannabis-Clubs“, die sich an Auflagen halten müssen. Für Jugendliche unter 18 Jahren bleibt der Konsum verboten. Wird es für sie in Zukunft trotzdem leichter, an die Droge zu kommen?
In Oldenburg leicht verfügbar
Lisa Droste ist als Sozialpädagogin in der Fachberatungsstelle Sucht „Rose 12“ in Oldenburg mit vielen Jugendlichen im Gespräch, die ein Problem in ihrem Drogenkonsum sehen. Sie kann die Folgen der Legalisierung noch nicht abschätzen – Cannabis sei in der Stadt jedoch schon jetzt für Jugendliche sehr leicht zu bekommen. „Der Konsum ist ein Stück weit normalisiert und findet in ihrer Lebenswelt statt. Ich bekomme zurückgemeldet, dass Cannabis für sie leicht zu kaufen ist“, sagt sie. Der Konsum sei verboten, die Verfügbarkeit aber hoch. Ein positiver Aspekt der Legalisierung könne sein, dass die Substanzen durch eine geregelte Abgabe besser auf problematische Zusätze kontrolliert werden könnten – zum Beispiel auf einen hohen Anteil von psychoaktiven Substanzen. Sie sind besonders gefährlich für die Gehirnentwicklung von Heranwachsenden bis 25 Jahren.
Vor Suchtverhalten schützen
Lisa Droste leitet regelmäßig Gruppen, die Jugendlichen helfen sollen, ihren Konsum zu reflektieren und zu reduzieren. Das „Fred-Programm“ richtet sich an sogenannte erstauffällige Drogenkonsumenten, nicht an Süchtige. „Wir wollen gerade jetzt viel in Richtung Frühprävention anbieten“, erklärt sie. Dabei geht es vor allem darum, über die Gefahren des Drogenkonsums zu informieren. „Dabei bin ich oft beeindruckt, wie gut die Jugendlichen aufgeklärt sind. Wir möchten, dass sie eine Haltung gegenüber der Substanz aufbauen. Sie sollen erkennen, was ihre Risikofaktoren sind und was sie stärkt“, so Lisa Droste. Gemeinsam werden in der Gruppe Schutzfaktoren gefunden, die vor Suchtverhalten schützen können. „Das können Ziele im Leben sein, eine gute Tagesstruktur, Hobbys und ein Austausch mit Freunden und Familie“, erklärt die 39-Jährige. Alle Gespräche in der Beratung unterliegen der Schweigepflicht.
Konsum findet statt
„Der Konsum bei den Jugendlichen findet statt. Jeder hat aber eine andere Basis und individuelle Risikofaktoren. Man kann aber nicht sagen, dass nur eine bestimmte Gruppe kifft. Ich habe hier auch Schüler der Gymnasien in der Beratung sitzen“, berichtet Lisa Droste.
Teilnehmen können am Fred-Programm Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Vor dem Kursus findet ein Erstgespräch statt. Kontakt über Telefon 0441/83500 oder lisa.droste@step-niedersachsen.de.
