Hannover/Oldenburg - Mit einem Impfwochenende am Samstag und Sonntag hat das Gesundheitsministerium in Niedersachsen versucht, die Impfkampagne gegen das Coronavirus beschleunigen. An beiden Tagen waren in den 50 Impfzentren des Landes zusammen 70.000 Impfungen geplant - etwa doppelt so viel wie an den vergangenen Wochenenden.
Die Niedersächsische Sozialministerin Daniela Behrens konnte sich bei ihrem Besuch im Impfzentrum Oldenburg am Samstag davon überzeugen, dass die Impfdosen zügig vergeben werden. „Das, was in Oldenburg ankommt, wird umgehend verimpft“, so die Politikerin. An diesem Wochenende sind es rund 1800 Menschen, die in Oldenburg einen Impfstoff bekommen. Geimpft wird ausschließlich mit dem Impfstoff von Astrazeneca.
In Hildesheim konnten Autofahrer mit Termin an einem Krankenhaus vorfahren. Durchs Autofenster gab es den Piks in den Oberarm für Fahrer oder Beifahrer. Wagen um Wagen rollte am Samstag an den drei aufgebauten Impfzelten vor. Nach Angaben des Landkreises Hildesheim sollten dort am Wochenende 1080 Impfdosen Astrazeneca verimpft werden.
Mehr Impfdosen, als das Land ohnehin erhält, standen für die Aktion aber nicht zur Verfügung. Man konnte sich auch nicht spontan impfen lassen. Die Termine seien vergeben, teilte das Ministerium mit. Der Kreis Nienburg dementierte am Samstag Meldungen im Internet, wonach über 60-Jährige sich ohne Anmeldung im Impfzentrum Drakenburg impfen lassen könnten. Am Freitag standen noch rund 380 000 bereits impfberechtigte Menschen in Niedersachsen weiter auf der Warteliste.
Zweck der Aktion war auch, eine Delle bei der Zahl der Impfungen über das Osterwochenende auszugleichen, an dem in etlichen Zentren trotz Ermahnung des Ministeriums weniger als sonst geimpft wurde. Zudem ging es darum, nach der Diskussion um den Impfstoff von Astrazeneca angewachsene Bestände zu verwenden.
Die Aktion am Samstag und Sonntag richtete sich vor allem an über 70-Jährige der Priorisierungsgruppe 2, die zuvor noch keinen Termin erhalten hatten. Die Priorisierungsreihenfolge wurde nicht aufgeweicht - einen Termin erhielten nur Menschen, die bereits impfberechtigt sind. Auch für den Impfstoff von Astrazeneca wurde an dieser Regel festgehalten.
Gesundheitsministerin Daniela Behrens verteidigte diese Linie. „Wir befinden uns immer noch in den Gruppen eins und zwei, zu denen rund 3,8 Millionen Niedersachsen zählen. Dazu gehören vor allem ältere Menschen“, sagte die SPD-Politikerin in einem Interview der Bremer Zeitung „Weser-Kurier“. „Ich bin sehr, sehr dagegen, diese Priorität zu früh zu verlassen. Sonst würden wir gerade diejenigen, die unseren Schutz besonders brauchen, nicht mehr ausreichend schützen.“
Sie wies Kritik zurück, dass Niedersachsen beim Impfen zu langsam sei. „Von anderen Bundesländern unterscheidet uns vielleicht, dass wir nicht so sprunghaft sind. Wir wechseln nicht so schnell die Pferde, sprich die Maßnahmen“, sagte Behrens. Das größte Problem für Impfzentren wie Arztpraxen sei weiterhin die „Mangelverwaltung beim Impfstoff“. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Samstag lag Niedersachsen mit einer Erstimpfungsquote von 22,4 Prozent der Bevölkerung weiter unter dem Bundesdurchschnitt von 22,8 Prozent.
