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Betreuung Wenig Spielraum in der Corona-Krise Händewaschen, weitermachen – schwieriger Alltag von Tagesmüttern

Lea Bernsmann

Osternburg - Wenn es morgens halb acht an der Tür klingelt, hat Elisabeth Brunnerts Arbeitstag längst begonnen. Kartoffelbrei ist vorgekocht, Puschen stehen bereit, die Betten sind gemacht, Teddybären und Bauklötze warten schon auf Spielkameraden.

Neuerdings empfängt die Osternburgerin ihre Gäste mit einem Tablett. Darauf kommen die Brotdosen der Kinder, die von ihren Eltern jetzt zeitversetzt gebracht werden – um unnötige Begegnungen zu vermeiden. Das mitgebrachte Frühstück bringt Elisabeth Brunnert in die Küche. Und wäscht sich die Hände. Dann kommen die Kleinen damit dran: 20 Sekunden unter warmen Wasser, dabei wird gesungen. Für die 53-Jährige gehören die neuen Hygieneregeln inzwischen zum Alltag. Als Tagespflegemutter darf sie weiterhin Kinder betreuen – während Kitas bis auf den Notbetrieb dicht haben.

Andere Regelungen

Elisabeth Brunnert betreut aktuell vier Kinder bei sich zuhause: von montags bis mittwochs kommt ein Zwillingspaar von zweieinviertel Jahren und fünf Tage die Woche noch zwei Eineinviertel-Jährige. Bis zu fünf Kinder dürfen Tagespflegepersonen betreuen – daran ändert auch die Pandemie nichts. Die Eltern entscheiden, ob sie ihren Nachwuchs in die private Betreuung geben. Elisabeth Brunnert und ihre Kolleginnen und Kollegegen dürfen diesen Wunsch nicht ablehnen, so lautet die Anweisung vom Amt für Jugend und Familie. „Im ersten Lockdown war das anders. Da hatten nur Eltern, aus systemrelevanten Berufen Anrecht auf Betreuung“, sagt Elisabeth Brunnert.

Sorge um eigene Gesundheit und die der Familie

Berlin

Anspruch der Eltern

Im Dezember wären Eltern zurückhaltender gewesen, hätten die Kleinen selbst betreut. Seit Januar werde die Hilfe von Profis wieder gerne in Anspruch genommen, haben Tagespflegepersonen aus Elisabeth Brunnerts Umfeld feststellen müssen. Die Aufforderung der Regierung, den Nachwuchs wenn möglich zuhause zu lassen, bleibt eben nur eine Aufforderung.

Zum Hintergrund:

Die Kindertagespflege ist ein gleichwertiges Angebot zu Krippen für die Betreuung Unter-Dreijähriger, die von qualifizierten Betreuungspersonen geleistet wird.

Die Pflegeerlaubnis stellt das Amt für Jugend und Familie Betreuungskräften aus, die ihre Eignung und Kenntnisse nachgewiesen haben. Jährliche Fortbildungen sind Pflicht, ebenso wie ein Erste-Hilfe-Kurs bei Kindernotfällen, der alle zwei Jahre absolviert wird.

Maximal fünf Kinder werden in den Privaträumen oder dafür angemieteten Räumen von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut. In der Großtagespflege betreuen zwei Kindertagespflegepersonen zusammen bis zu zehn Jungen und Mädchen.

Die Elternbeiträge sind für Krippe und Kindertagespflege identisch: Für Eltern kostet der Platz bei einer Tagespflegeperson 0 bis 2,97 Euro pro Stunde – gestaffelt nach dem Einkommen. Die Differenz zu den tatsächlichen Kosten zahlt die Stadt.

Die Vorteile einer privaten Betreuung liegt neben dem familiärem Umfeld in der Möglichkeit, zu einem anderen Termin als zum 1. August jeden Jahres einzusteigen. Infos und Adressen der Kindertagespflegestellen sind beim Amt für Jugend und Familie zu erfragen, wo auch beraten wird.

In Oldenburg gibt es rund 150 Tagesmütter und Tagesväter. 24 davon sind Mitglied der BvK (Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen) Regionalgruppe Oldenburg.

Elisabeth Brunnert ist seit 2015 BvK-Mitglied und seit 2007 Tagesmutter – 70 Kinder hat sie bislang betreut. Davor hat die heute 53-Jährige als Schauwerbegestalterin gearbeitet.

Das gesundheitsrisiko

Mehr Angst vor Ansteckung als sonst im Alltag habe sie nicht, sagt Elisabeth Brunnert. Die Eltern ihrer kleinen Gäste halte sie für sehr vernünftig und verantwortungsbewusst. Nicht alle Kolleginnen und Kollegen sind so unbeschwert. Manche tragen während der Arbeit einen Mund-Nasen-Schutz. Für Elisabeth Brunnert ist das nichts: „Die Kinder müssen meine Mimik sehen, das ist ganz wichtig für die Bindung“, sagt die 53-Jährige. Gerade in der Anfangszeit, der Eingewöhnungsphase, müssen man behutsam Vertrauen der Kleinkinder gewinnen.

Die Hygienevorgaben

Eine Maskenpflicht gibt es für Tagespflegepersonen ebenso wenig, wie Desinfektionsvorgaben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht in Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit Kleinkindern gewöhnliche Reinigung mit Wasser und Putzmittel vor. Nur den Wickeltisch desinfiziert Elisabeth Brunnert nach jedem Einsatz – aber das tut sie auch sonst.

Die Anerkennung

Tauschen mit einer Kita-Kraft würde Elisabeth Brunnert nicht nur in diesen Zeiten nicht wollen. Die kleine Gruppengröße, der intensivere und persönlichere Kontakt kommt nicht nur den Kindern zugute. Dennoch fehlt ihr die Wahrnehmung und Anerkennung als so wichtige Berufsgruppe, die speziell in diesen schwierigen Zeiten einen Ausnahmejob macht.

Wenn es um drei Uhr nachmittags läutet und die Eltern ihren Nachwuchs abholen, hat Elisabeth Brunnert etliche Pfannkuchen gebraten, Schlaflieder gesungen, Türme gebaut, Verstecke erraten, Münder und Popos abgewischt, Schiffe und Krokodile aus Papier gebastelt – und beim gehen erster Schritte geholfen. Am nächsten Tag wird es wieder um halb Acht an der Tür klingeln und sie wird da sein, trotz und wegen aller Krisen.

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