Oldenburg - Die Coronazahlen in Oldenburg sind hoch – trotzdem sind ab sofort Lockerungen erlaubt. „Es ist ein bisschen gruselig, hier ohne Maske zu sitzen“, fasste Dr. Holger Petermann, Leiter des Gesundheitsamtes, die Gefühlslage zusammen. Er berichtete im Sozialausschuss in dieser Woche über die aktuelle Lage in der Stadt und in seiner Behörde.
„Die Soldaten, die uns mit 400 Wochenstunden unterstützt haben, wurden jetzt abgezogen“, sagte er. Die Selbstmeldungen der Corona-Fälle laufe mittlerweile vollautomatisiert ab. Auch der Bescheid für die betroffenen Personen werde automatisch erstellt und versendet. Petermann rechnet auch weiterhin mit hohen Corona-Fallzahlen. „Sie werden weiter ansteigen. Es ist dann auch mit einer Erhöhung der Anzahl der symptomatischen Personen zu rechnen“, erklärte er. Man könne nicht unbedingt davon ausgehen, dass man mit einem negativen Schnelltest nicht infektiös sei, warnte er. Er sei gegenüber der Qualität mancher Tests skeptisch.
Lage in Krankenhäusern
Sozialdezernentin Dagmar Sachse gab gleichzeitig Entwarnung für die Lage in den Krankenhäusern der Stadt. „Wir haben nur wenige Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen. Das Gesundheitssystem ist nicht überlastet. Die Anzahl der Menschen, die sehr krank werden, ist gering“, sagte sie.
„Das größte Problem der Krankenhäuser ist, dass die Mitarbeiter bei einer Quarantäne zehn Tage ausfallen“, ergänzte Petermann. Große Ausbrüche habe man in der Stadt momentan in den Seniorenheimen. „Das ist aber mit der Situation aus dem letzten Winter mit vielen Verstorbenen nicht zu vergleichen. Die älteren Menschen haben jetzt wenig Symptome“, berichtete er.
Kontrolle der Impfpflicht
„Eine neue Baustelle für uns ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht“, sagte Petermann. Die Einrichtungen würden nicht geimpfte Mitarbeiter im Amt melden. Auch manche Atteste von Mitarbeitern im Gesundheitsdienst, dass Impfungen aus gesundheitlichen Gründen bei ihnen nicht möglich seien, werden an das Gesundheitsamt weitergegeben, wenn die Arbeitgeber Zweifel haben. „Bisher haben wir 304 Meldungen von nicht geimpften Personen. Da ist von der Hebamme bis zum Taxifahrer alles dabei“, so Petermann.
Beim Thema Impfen wird die Stadt ihre Strategie ändern. Kinderimpfungen sind nun bei den Kinderärzten möglich, bis auf den Impfpunkt in den Schlosshöfen werden die anderen Anlaufstellen nach und nach geschlossen. In den Schlosshöfen gibt es auch ein Impfangebot für Flüchtlinge aus der Ukraine.
