Oldenburg - „Weder ich noch meine Kunden können das verstehen“, sagt Andreas Jänisch zu der Entscheidung des Auswärtigen Amtes, Spanien zum Risikogebiet zu erklären. Zusammen mit Antke Akkermann führt Jänisch das Oldenburger Reisebüro „Horizont“. „Spanien war und ist von COVID-19 stark betroffen“, heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes. Einzig die Kanaren sind von der Reisewarnung ausgenommen.
Angst vor Jobverlust
Er habe schon Stornierungen von geplanten Reisen nach Spanien bearbeiten müssen, sagt Jänisch. „Wir hätten theoretisch am Samstag zwei Familien gehabt, die fliegen wollten.“ Auch für den kommenden Mittwoch hätten acht Personen ihre Reise storniert.
Spanien wurde vergangene Woche Freitag vom Auswärtigen Amt zum Risikogebiet erklärt. Ausschlaggebend seien zu hohe Corona-Infektionszahlen, hieß es.
Seit dem 8. August sind Einreisende aus Risikogebieten verpflichtet, sich innerhalb von 14 Tagen auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen zu lassen. „Wer sich nicht testen lassen will, muss für 14 Tage in Quarantäne. Den Quarantänebescheid erstellt das Gesundheitsamt“, sagt Reinhard Schenke von der Stadt Oldenburg.
Für einen Test innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet werden die Kosten übernommen. „In der Regel ist das Ergebnis binnen 24 Stunden verfügbar“, sagt Schenke. Bei einem positiven Test werde das Ergebnis dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet.
Das Testergebnis und die Rückkehr aus einem Risikogebiet müssen die Bürger dem zuständigen Gesundheitsamt nach der Einreise mitteilen, so Schenke.
Wer Symptome hat, wie sie bei einer Infektion mit Corona vorkommen – Husten oder Halsschmerzen – muss sich zunächst telefonisch beim Hausarzt melden.
Ein Grund dafür sei auch die Angst vor dem Jobverlust bei einer Rückkehr aus Spanien, erklärt Jänisch: Wer nach dem Aufenthalt in einem Risikogebiet ein positives Testergebnis auf das Coronavirus aufweise und deswegen nicht zur Arbeit kommen könne, riskiere eine Abmahnung vom Arbeitgeber.
Aus heiterem Himmel
Er selbst könne die Reisewarnung für Spanien nicht nachvollziehen, sagt Jänisch. Die Situation an den ausländischen Stränden sei zum Teil entspannter als aktuell an der Nordseeküste. Dass die Reisewarnung aus „heiterem Himmel“ kam, empfindet auch Anna Wieting, Inhaberin des Reisebüros „Reiselounge Oldenburg“ so. Wieting sei kürzlich selbst auf Mallorca gewesen und berichtet von den strengen Hygienemaßnahmen. Auch unter freiem Himmel habe sie eine Maske tragen müssen, sagt sie. Gefühlt stündlich würden sich nun die Reisebedingungen ändern: „Wir versuchen den Überblick zu behalten.“
Katastrophale Situation
Für die Reisebüros von Jänisch und Wieting ist die Situation katastrophal: „Mallorca oder generell Spanien ist eines der am meisten gebuchten Reiseziele, die wir überhaupt haben“, sagt Wieting. Reiseveranstalter und Privatkunden hätten bereits Buchungen storniert. Dadurch müsste sie die Provisionszahlungen an die Reiseveranstalter zurückzahlen. Derzeit bekäme sie zudem viele Kundenanfragen zu den geltenden Reisebedingungen. Damit lasse sich aber kein Geld verdienen. „Wir machen wahnsinnige Verluste“, sagt Wieting. Auch Jänisch beschreibt sein Unternehmen als existenzgefährdet: „So langsam ist das Fass am Überlaufen.“
