Oldenburg - Keine mehrtägigen Klassenfahrten bis zu den Osterferien – was bei Schülerinnen und Schülern in Niedersachsen für lange Gesichter gesorgt hat, betrifft auch die Jugendherberge in Oldenburg nicht unerheblich. Grund für die Entscheidung des Landes Niedersachsen sind die steigenden Infektionszahlen durch die Corona-Variante Omikron.
Einige Stornierungen
„Wirtschaftlich trifft das Schulfahrten-Verbot auch die Jugendherberge Oldenburg stark. Einige niedersächsische Schulen hatten für März ihre Klassenfahrten gebucht und mussten nun stornieren“, erklärt Sprecherin Gesa Hauschild. Nach einem sowieso schon schwierigen Jahr 2021 werden nun auch die ersten Monate in 2022 hart. „Insgesamt war die Auslastung im letzten Jahr für Pandemie-Bedingungen größtenteils in Ordnung, aber deutlich unter Vor-Corona-Niveau“, so Hauschild. Umsatzstärkster Monat im vergangenen Jahr sei der Oktober gewesen.
Man sei sehr froh, dass vor allem im September und Oktober wieder zahlreiche Klassenfahrten stattfinden konnten, auch wenn man bei dieser Gästegruppe ebenfalls deutlich unter Vor-Corona-Niveau läge. „Kinder und Jugendliche leiden ja bekanntlich unter den Folgen der Pandemie, und unsere erlebnispädagogischen Programme helfen, diese abzumildern. Wir haben von vielen Lehrerinnen und Lehrern gehört, wie wichtig es für die Kids und den Zusammenhalt in der Klasse war und ist, mal wieder rauszukommen, unbeschwert zu sein“, berichtet Hauschild.
Vorsichtig optimistisch
In die Sommermonate blickt man in der Jugendherberge Oldenburg vorsichtig optimistisch. Die Vorbuchungen für das gesamte Jahr 2022 seien im Klassenfahrtenbereich und auch in anderen Bereichen zurzeit noch in Ordnung. „Trotzdem bleiben wir hier in unserer Einschätzung eher zurückhaltend, da uns die Pandemie gezeigt hat, dass sich solche Entwicklungen auch schnell wieder umdrehen können. Mit dem Zusatzgeschäft im Bereich Tagungen konnte man die ein oder andere gerissene Lücke füllen“, erklärt die Sprecherin. Systemrelevante Veranstaltungen oder Blutspende-Termine hätten die Tagungsräume auch in der Corona-Zeit teilweise füllen können, auch wenn das Tagungsgeschäft sehr stark eingebrochen sei, weil berufliche Fort- und Weiterbildungen auf eine Minimum reduziert wurden.
Kritik vom Verband
Der Landesverband Unterweser-Ems des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) fordert, Klassenfahrten schnell wieder zuzulassen. „Mit dem Verbot von Schulfahrten bis Ostern geht das Land Niedersachsen sehr weit, auch im Vergleich zu den aktuellen Regelungen in nahezu allen anderen Bundesländern“, kritisiert Geschäftsführer Thorsten Richter. „Die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte steht an erster Stelle und Klassenfahrten können und sollen nur dann stattfinden, wenn es die pandemische Lage zulässt,“ betont er. Schul- und Klassenfahrten seien kein Luxus, sondern besonders in Corona-Zeiten wichtige Aspekte der Kompetenzentwicklung junger Menschen.
„Wir haben daher kein Verständnis für die langfristige Untersagung der Schulfahrten“, erklärt der Geschäftsführer. Diese sei nicht notwendig. Die Jugendherbergen hätten ihre Stornierungsbedingungen für Klassenfahrten angepasst. Schulen könnten flexibel auf die pandemischen Bedingungen reagieren und coronabedingt bis zum Tag der Anreise kostenfrei stornieren.
