Oldenburg - Für die einen sind sie ein günstiges umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, für andere Ärgernisse, Stolperfallen, die ungenutzt auf den Bürgersteigen oder an den Straßenrändern herumliegen. Gemeint sind E-Scooter, kleine Roller, die Oldenburg zu Hunderten von verschiedenen Anbietern übers Stadtgebiet verteilt worden sind.
Schlechter Zustand
Eines dieser Gefährte des Unternehmens Lime ist Ende Juli an der Gabelung des Lärchenrings in Höhe Hausnummer 12 gestrandet. „In einem schlechten Zustand, das Hinterrad fehlt“, berichtet Michael Kodde, der in der Nähe wohnt. „Der wird sicherlich bald abgeholt“, dachte er sich. Doch weit gefehlt, niemand schien sich dafür zu interessieren. Kodde versuchte am 20. August Kontakt aufzunehmen. „Gar nicht so einfach, eine E-Mail-Adresse von Lime zu finden. Letztlich klappt es. Nur zehn Minuten später kommt die Antwort aus San Francisco: Yatin A. bedankt sich überschwänglich für den Hinweis und versichert, dass sich das örtliche Team umgehend um den Roller kümmert.“
Überschwänglicher Dank
Pustekuchen, Kodde hakt am 25. August nach. „Kurze Zeit später meldet sich Karan R. von Lime, bedankt sich überschwänglich für den Hinweis, entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten und teilt mit, dass das ,Problem zur Untersuchung an unser örtliches Team eskaliert’ worden ist. Das Fahrzeug werde so schnell wie möglich entfernt.“ Nicht geschieht, am 14. September schreibt Kodde erneut, droht mit der Polizei.
„Lalit V. von Lime bedankt sich, dass ich mir die Zeit genommen habe, an den Kundensupport von Lime zu schreiben, bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass es mir gut geht und versteht meine ,Besorgnis, dass der Roller illegal geparkt’ wurde. Das lokale Team sei bereits informiert und werde die erforderlichen Maßnahmen ergreifen“, berichtet der Lärchenring-Anlieger weiter.
Leitung nach Indien
Und wieder tat sich nichts, inzwischen sind fast zwei Monate vergangen. Allmählich wird es ärgerlich, was kann man noch tun? Das Bürgertelefon 235 4444 anrufen. Kodde: „Einer freundlichen Dame stelle ich mich vor und schildere das Problem. Dann die Überraschung: Um defekte, wild abgestellte Scooter könne und dürfe sich die Stadt nicht kümmern. Sie könne mir die Telefonnummer der Fa. Lime geben, eine Frankfurter Nummer.“
Erst passiert nichts, dann ertönt ein merkwürdiges unbekanntes Rufzeichen und dann steht plötzlich die Verbindung. Sehr schlecht, viel Rauschen und vor allem lautes Hupen von Autos und das Quäken von Mofahupen. Dann rutscht Kodde die Frage raus, ob er mit Frankfurt telefoniere: „Nein, mit Indien.“
NWZ hilft
Und wieder tut sich nichts. Der ehemalige Vizepräsident des Oberlandesgerichts Oldenburg bittet unsere Redaktion um Hilfe. Wir nehmen Kontakt mit der Pressesprecherin auf. Sarah Schweiger schreibt: „Der betreffende Scooter wurde durch unser lokales Team abgeholt. Die Qualität unseres Services ist uns sehr wichtig. Bei dem geschilderten Fall handelt es sich um eine Ausnahme, die es für die Zukunft zu vermeiden gilt. Entsprechende Vorkehrungen wurden getroffen. Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“
Das Schlusswort gehört Michael Kodde: „Rechts am Wendehammer der Fürstenwalder Straße steht ein angerosteter, offensichtlich nicht mehr fahrbereiter Scooter der Fa. Lime.“ Persönlich kümmern möchte er sich darum nun aber nicht mehr.
