Oldenburg - Die Zahl der Demenzerkrankungen nimmt weltweit seit Jahren kontinuierlich zu. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Erkrankung bei 35 Prozent der Betroffenen durch beeinflussbare Risikofaktoren begünstigt wird. Bei dieser Betroffenengruppe ist eine nicht behandelte Schwerhörigkeit im Alter mit einem Anteil von rund neun Prozent der größte Risikofaktor. Beim 58. Gesundheitsforum der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Bezirksverband Oldenburg, am Dienstag im Oldenburger Kulturzentrum PFL war der Zusammenhang zwischen Hörproblemen und Demenz eines der Themen.
Hohes Risiko
Die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken, sei schon bei einem geringen Hörverlust doppelt so hoch wie bei Menschen mit einem gesunden Gehör, berichtete Prof. Dr. Andreas Radeloff in seinem Vortrag „Was Hörstörungen mit Demenz zu tun haben.“ Bei einem mittleren Hörverlust sei das Risiko um das Dreifache, und bei einem starken Hörverlust um das Fünffache erhöht, sagte der Direktor der Universitätsklinik Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Evangelischen Krankenhaus in Oldenburg..
Warum die Entwicklung einer Demenz durch eine verminderte Hörleistung forciert wird, ist noch nicht genau geklärt. Die Wissenschaft geht dessen ungeachtet davon aus, dass in Folge des Hörverlusts auch negative Veränderungen im Gehirn entstehen. Schwächer werdende Signale des Hörsinns können demnach die Funktion bestimmter Nervenzellen beeinträchtigen, die im Gehirn für den Erhalt von Gedächtnisinhalten verantwortlich sind.
Frühe Diagnose
Damit es dazu erst gar nicht kommt, sollte eine Hörminderung so früh wie möglich erkannt und behandelt werden, betont Prof. Radeloff: „Ein gut angepasstes Hörgerät kann in vielen Fällen zum Schutz vor dem Entstehen einer Demenz beitragen.“ Je länger man mit einer entsprechenden Versorgung wartet, desto schwieriger sei die Behandlung. So brauche das Gehirn einige Zeit, bis es sich auf das Hören mit technischen Hilfsmitteln eingestellt hat.
Bei rund zehn Prozent der Betroffenen ist die Hörstörung so stark ausgeprägt, dass eine relevante Besserung nur mit einem Cochlea-Implantat erreichbar ist. Hier sind ältere Menschen ab 60 zwar deutlich in der Mehrheit, berichtet Prof. Radeloff. Es gibt aber auch Kinder und Jugendliche, die auf ein Cochlea-Implantat angewiesen sind. Bei einem Cochlea-Implantat (CI) handelt es sich um eine elektronische Hörprothese, die dafür sorgt, dass Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt werden, die den Hörnerv im Innenohr stimulieren. Von dort werden die Reize an den fürs Hören verantwortlichen Hirnbereich geleitet. „So wird das Hörvermögen wiederhergestellt“, erklärt Prof. Radeloff. Die Versorgung mit einem CI sei mit Blick auf die Demenzforschung auch bei alten Menschen sinnvoll.
