Oldenburg - Seit Jahrzehnten wird in Oldenburg über den Bau eines Fußballstadions diskutiert, das auch die Voraussetzungen für Spiele der Profiligen erfüllt. Mal war man schon ein bisschen weiter, dann war wieder jahrelang Ruhe. So nah an einer Entscheidung wie derzeit, war man noch nie. Eine Chronologie – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zeigt noch einmal wichtige Stationen der bisherigen Stadiondiskussion auf.

1991  musste der seinerzeit schwer verschuldete VfB Oldenburg sein angestammtes Stadion in Donnerschwee an die Stadt verkaufen und ins 1951 eröffnete Marschwegstadion umziehen. Beliebt war dieser Umzug weder bei den Fans, noch bei den Anwohnern am Marschweg. Immer wieder wurde seitdem über den Neubau eines reinen Fußballstadions diskutiert. Der damalige VfB-Manager Rudi Assauer betonte schon vor 30 Jahren die Notwendigkeit einer solchen Investition. Auch die zwischenzeitlich schwierige finanzielle und sportliche Situation des VfB Oldenburg ließ solche Diskussionen aber nicht über ein Anfangsstadium hinaus kommen.

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Im letzten Spiel im Donnerschweer Stadion trennte sich der VfB Oldenburg 2:2 vom SC Freiburg.

2007 startete eine private Initiative das Projekt Stadion-Neubau in Oldenburg. Der VfB Oldenburg spielte seinerzeit in der fünften Liga. Im Stadtteil Donnerschwee sollte ein reines Fußball-Stadion entstehen, mit Platz für 15.000 Zuschauer. Pläne für diese Arena lagen vor. Die Baukosten wurden auf 20 Millionen Euro beziffert. Das Geld sollte vor allem durch private Sponsoren und Fans aufgebracht werden. Verkauft werden sollten unter anderem 850.000 „Soccer Stones“ – Bockhorner Klinker für jeweils 25 Euro. Der damalige Oberbürgermeister Gerd Schwandner begrüßte die Idee als ein „positives Beispiel von bürgerschaftlichen Engagement“. Realisiert wurden die Pläne nicht. Auch fehlender sportlicher Erfolg bremste weitere Vorstöße.

Kommentar
Unsere Stadt, unser Verein, unsere Farben:  Der VfB ist das fußballerische Aushängeschild für Oldenburg.

PRO STADION-NEUBAU IN OLDENBURG Zu einer Großstadt gehört ein Fußballstadion

2014 nahm die Diskussion dann erst wieder so richtig Fahrt auf: Im Zuge eines potentiellen Stadion-Neubaus wurden unterschiedliche Standorte in Oldenburg geprüft. Dabei wurden drei Standorte als grundsätzlich geeignet eingestuft: neben der Maastrichter Straße auch das Fliegerhorstgelände und die Holler Landstraße. In diesem Jahr gründete sich auch die private Initiative Nordweststadion. Sie engagiert sich noch heute für den Bau eines neuen Fußballstadions, der aus ihrer Sicht alternativlos ist und an der Maastrichter Straße umgesetzt werden soll.

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Bisher nicht mehr als eine erste Planzeichnung: ein neues Stadion an der Maastrichter Straße

2016 gab die Stadt eine Machbarkeitsstudie zum Standort an der Maastrichter Straße in Auftrag. Das Büro Albert Speer und Partner hat darin eine grundsätzlich gute Eignung festgestellt.

2022 Mit dem Aufstieg 2022 wurde ein Stadionneubau wieder ein großes Thema. Ein halbes Jahr vorher im Wahlkampf war es das nicht unbedingt. Der Grund: Der VfB Oldenburg kann seine Heimspiele in der aktuellen Drittliga-Saison 2022/2023 nur aufgrund einer Reihe von Ausnahmeregelungen des DFB im Marschwegstadion austragen.

Dortige Sicherheitsmängel, fehlende Stellplatzmöglichkeiten und eingeschränkte Nutzungszeiten, die sich aus der im Jahre 1994 erteilten Baugenehmigung für den Bau der Haupttribüne ergeben, scheinen unlösbare Ausschlusskriterien zu sein. Demnach dürfen aus immissionsschutzrechtlichen Gründen nach 18.30 Uhr im Marschwegstadion keine Spiele angepfiffen werden.

Kommentar
Rote Karte für ein von der Stadt finanziertes Stadion: NWZ-Redakteur Patrick Buck spricht sich gegen den Stadion-Beschluss aus.

CONTRA STADION-NEUBAU IN OLDENBURG Stadt darf nicht für die Probleme des Fußballsystems geradestehen

Im Juni beschloss der Rat mehrheitlich die Aufstellung eines Bebauungsplanes zum Neubau eines drittligatauglichen Fußballstadions an der Maastrichter Straße als Planungsgrundlage, im November gab der Rat zudem knapp vier Millionen Euro für die Verbesserung der technischen Infrastruktur des Marschwegstadions frei.

In einem zweiteiligen Stadionworkshop diskutierten Rat und Verwaltung die Vor- und Nachteile eines neuen Stadions gegenüber dem drittligatauglichen Ausbau des Marschwegstadions.

<p>                Im ungeliebten Marschwegstadion wurde 2022 der bisher jüngste Erfolg des VfB Oldenburg gefeiert: der Aufstieg in die 3. Liga.              </p>

Im ungeliebten Marschwegstadion wurde 2022 der bisher jüngste Erfolg des VfB Oldenburg gefeiert: der Aufstieg in die 3. Liga.

2023 Im Januar folgten zwei inhaltsgleiche Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit mit den Experten aus den Rats-Workshops. Wenige Tage zuvor legte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann den angekündigten Grundsatzbeschluss vor, auf dessen Grundlage die Planungen für einen Stadionneubau, die Gründung einer „Stadion-Realisierungsgesellschaft“ und die Aufnahme des Bauleitplanverfahrens beruhen sollen.

Die Entscheidung steht für Montag, 27. Februar, auf der Tagesordnung des Rates der Stadt Oldenburg. Grüne und Ratsherr Andreas Sander hatten bereits vorab ihr Nein verkündet, alle übrigen Fraktionen und Gruppen sprachen sich für eine Zustimmung aus. Ein positives Votum soll auch das Lizenzierungsverfahren des VfB Oldenburg stärken. Der muss bis zum 1. März die gesamten Unterlagen beim DFB einreichen. Eine endgültige Entscheidung über einen Bau eines Stadions an der Maastrichter Straße soll dann im Oktober vom Stadtrat getroffen werden.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)