Donnerschwee - Die Weihnachtsfeste während des Zweiten Weltkriegs und danach sind vielen Menschen in Erinnerung geblieben. Im folgenden Text hat Maria Klein aus der Bürgerstraße ihre Erinnerungen aufgeschrieben:
„Es war im dritten Kriegsjahr 1942 kurz vor Weihnachten und bitterkalt. Unser Vater war an der Front und unsere Mutter war jetzt die Bestimmerin. Sie herrschte fürsorglich und kompetent über unsere kleine Familie, bestehend aus unserem blinden Opa, den beiden Omas, meiner kleinen Schwester und mir. Auf dem Pferdemarkt (damals Platz der SA) wurden Tannenbäume verkauft und ich als Elfjährige erhielt von Mutter den Auftrag, einen für uns zu holen.
Am Verkaufsstand herrschte dichtes Gedränge und ich musste langen suchen. Ich war total durchgefroren und sah mich nach der Kasse um. Entsetzt registrierte ich die lange Schlange, die da zum Bezahlen anstand. Den Mann an der Kasse kannte ich, es war unser Gärtner aus Donnerschwee. Mutti kann wohl nach Weihnachten bei ihm bezahlen, dachte ich und machte mich mit meinem Bäumchen davon, um ins Warme zu kommen. Zuhause beichtete ich es meiner Mutter. Sie schüttelte zwar missbilligend den Kopf, schien aber mein Vorgehen zu akzeptieren.
Am Heiligen Abend befestigte Mutti den Baum auf dem Fuß und schmückte ihn wie immer ganz in Silber, kriegsbedingt aber nur mit wenigen weißen Kerzen und aufgebügeltem Lametta. Zur Bescherung versammelten wir uns alle um den kleinen schönen Baum, die Kerzen brannten und wir sangen „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“, da neigte sich der Baum nach vorn und fiel vom Tisch. Mutter griff beherzt zu und erstickte die Flammen . Wir richteten den Baum auf, Mutter befestigte ihn mit den Schrauben extra fest und er stand wieder. Aber dann sagte sie: „Siehst Du, das kommt, weil Du den Baum nicht bezahlt hast.“ Mein Herz wurde ganz schwer. Meinte sie das ernst? Aber mein blinder Opa stand mir bei: „Nu geb dat Kind nich de Schold, wenn Du den Boom nicht richtig festmookt hesst“, sagte er und ich atmete auf.
