Olenburg - Warum es so lange dauert, bis längst gewonnene Erkenntnisse auch umgesetzt werden, vermochten auch die Teilnehmer der Oldenburger Klimatage nicht befriedigend beantworten. Beklagt wurde es indes von einigen Rednern. Auch der Gastgeber, UGO-Vorsitzender Werner Brinker, warf die Frage auf: „Zwischen Kyoto und Paris liegen 18 Jahre Nichtstun – das ist kein Erkenntnisproblem, sondern immer noch ein Umsetzungsproblem.“ Eingeladen hatte die Universitätsgesellschaft Oldenburg (UGO), die mit dieser besonderen Geburtstagsfeier in Form eines Kongresses ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Und gefeiert wurde in der Alten Fleiwa gleichzeitig auch noch 40 Jahre Energielabor.
Ein Pionier der Klimaforschung und ein Vorreiter der Energieforschung: Hartmut Graßl (links) und Joachim Luther.
Energielabor bleibt
Für Mitbegründer Prof. Dr. Joachim Luther, später Leiter des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg, ist das Energielabor „einer der wenigen noch existierenden technisch-baulichen Zeitzeugen der Forschung zur Energiewende der 1980er-Jahre“. Insofern freute auch Luther, was der heutige Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder in seinem Grußwort versprach: Mögliche Abrisspläne seien vom Tisch. „Wir wollen und werden das Gebäude erhalten.“
Vorreiter der Energieforschung
„Wir waren alle keine Energieforscher“, betonte Luther. Selber auf Laserfernerkundung spezialisiert, schrieb er aber schon 1977 die Publikation „Sonnenenergie – eine Alternative zur Atomenergie“ – und das ohne Fragezeichen. Den Wissenschaftlern ging es um den Nachweis der physikalischen Machbarkeit einer Energieautarkie. Gehandelt wurde dabei lokal mit dem Energielabor, gedacht aber im großen Maßstab: ein durch regenerativen Quellen energieautarkes Deutschland.
Sinnbildlich steht das Energielabor für gleich mehrere Dinge, die die Universität Oldenburg auszeichnen: Forschung an Themen mit gesellschaftlicher Relevanz, Mut zur Veränderung, Bildung und Teilhabe der Gesellschaft. „Dieser Geist, innovativ und mutig zu sein, ist noch da“, so Bruder. Die Oldenburger Universität spiele mittlerweile in der ersten Liga. „Wir sind unter den Top vier, wenn es um Gründungen geht. Das zeigt den innovativen Geist. Hier wird ausprobiert, was andere nicht wagen.“
Integration in die Gesellschaft
An die UGO gewandt sagte Bruder: „50Jahre UGO und noch nicht 50 Jahre Universität sagt: Unsere Universität war gewollt.“ Und diese benötige die Unterstützung der UGO, die wesentlich zur Verbindung der Hochschule mit Stadt und Region beitrage.
Auch Niedersachsens Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Olaf Lies, hob die Integration der Oldenburger Universität in die Region hervor – und dankte der UGO für deren Beitrag. „Die UGO hat mit Weitsicht frühzeitig die Verbindung Gesellschaft und Universität geknüpft.“ Jüngstes Beispiel dieses Erfolges sei die European Medical School als wichtiger Bestandteil einer künftigen Gesundheitsversorgung. Dafür seien aber „unheimliche Anstrengungen nötig gewesen“, hielt er auch mit Kritik nicht hinter dem Berg. Es sei nun Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. „Wir erwarten, dass wir genauso behandelt werden“, fordert er mit Blick auf die weiteren beiden Medizinstandorte Göttingen und Hannover.
Aus Vergangenheit lernen
„Wir haben uns darauf verlassen, dass andere uns Energie zur Verfügung stellen“, schlug Lies die Brücke zu einem anderen aktuellen Thema. „Die Diskussion um Gaslieferungen aus Russland führt uns in die Anfangszeit von Universität und Energielabor. Die Erkenntnisse, die es damals schon gab, bestätigen sich heute.“ Dazu gehöre auch die Frage: „Was haben wir in der Vergangenheit nicht gemacht und wie wollen wir in der Kürze der Zeit damit umgehen? Das Gas wird im Winter nicht reichen.“
Mit Blick auf die Diskussion über eine weitere Nutzung der Kernenergie rief er dazu auf, nicht dieselben Fehler erneut zu machen, sondern den Weg der Energiewende konsequent zu gehen. Der in Oldenburg starke Bildungsaspekt spiele dabei eine große Rolle. „Wir brauchen die Grundlagen, dass Chancen auch erkannt werden.“ Es wäre erschreckend, festzustellen, dass es die richtigen Lösungen gibt, sie aber keiner gehört hat, so Lies.
