Oldenburg - Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit Kindern oder Jugendlichen über Drogen zu sprechen? Oder über die Risiken und Konsequenzen, die der Konsum mit sich bringt? „Eine pauschale Antwort in Bezug auf ein Alter gibt es nicht“, ist sich Tom Vater, Polizeihauptkommissar im Ruhestand ehemaliger Drogenfahnder der Polizei, sicher.

Noki, Haze & Dinger

Tom Vater hat bei der Polizei als Drogenfahnder und als Ermittlungsführer im Jugendkommissariat mit dem Schwerpunkt Betäubungsmittel gearbeitet.

Mit seinem Präventionsprogramm „Noki, Haze und Dinger“, das zum festen Bestandteil der Volkshochschule gehört und auf die Klassenstufen 8. und 9. ausgerichtet ist, war er schon an zahlreichen Oldenburger Schulen.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern berichtet Vater von seinem Berufsalltag bei der Polizei, geht auf mögliche Konsequenzen des Konsums (gesundheitlich wie juristisch) ein und ist dabei vor allem eins: absolut authentisch. Wichtig ist ihm vor allem, dass Jugendliche ihre eigene Entscheidung treffen. Dafür gibt er ihnen zahlreiche Informationen an die Hand.

Interessierte können sich unter per Mail (Noki-haze-dinger@web.de) oder telefonisch (0176/56711196) direkt an Tom Vater wenden.

Eines weiß er aber ganz sicher: „Ein solches Erstgespräch sollte stattfinden, bevor es einen Kontakt mit Drogen gegeben hat, um frühzeitig zu sensibilisieren.“ Momentan liege das Einstiegsalter bei 13 oder 14 Jahren – auch hier in Oldenburg – wo man von einer regelrechten Marihuana-Schwemme sprechen könne.

Das sei aber nur ein Anfang, denn Drogen seien im Leben von Jugendlichen eine permanente Gefahr – vor allem, wenn es schon Berührungspunkte gegeben hat. „Die Fragen zum Thema ändern sich mit zunehmendem Alter und den gegebenenfalls gemachten Erfahrungen“, berichtet auch Dr. Ulrike Matthiensen, Direktorin der Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie an der Karl-Jaspers-Klinik (KJK) in Wehnen. Aus diesem Grund ist unter der Federführung der KJK jetzt ein neues Präventionsprogramm entstanden, das für Oldenburger Schulen angeboten wird.

Dabei gliedert sich das Programm in drei verschiedene Veranstaltungen – angepasst an unterschiedliche Altersstufen und ausgearbeitet von unterschiedlichen Experten. Denn neben der KJK und Tom Vater ist auch die Sucht-Beratungsstelle „Rose 12“ aus Oldenburg an der Erarbeitung des Programms beteiligt (siehe Infoboxen).

Rose 12

Tomke Tönjes ist Einrichtungsleiterin der Suchtberatungsstelle Rose 12 in Oldenburg. Sie hat Psychologie studiert und als Präventionsfachkraft gearbeitet.

Das Präventionsangebot der Rose 12 ist auf die 9. Jahrgangsstufe ausgerichtet. In interaktiven Vorträgen wird zum Thema Sucht informiert. Inhaltlich geht es vor allem um Risiken und Wirkweisen legaler und illegaler Drogen. Die Veranstaltungen laufen vorwiegend ohne Lehrkräfte, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich zu öffnen.

Erklärt werden dabei unter anderem der Suchtentwicklungsprozess, verschiedene Formen von Abhängigkeit sowie Sucht- und Schutzfaktoren. Zudem werden die Arbeit und Angebote der Rose 12 vorgestellt.

Interessierte können sich per Mail (oldenburg@step-niedersachsen.de) oder telefonisch (0441/83500) an die Suchtberatungsstelle Rose 12 wenden.

Während Vater mit seinem Präventionsangebot versucht, mit Jugendlichen auf Augenhöhe zu sprechen und sie dazu befähigen will, ihre eigene Entscheidung gegen die Drogen zu treffen, dreht sich beim Programm der Rose 12 vieles um Risiken und Wirkweisen legaler und illegaler Drogen aber auch um den Aufbau von Resilienzmechanismen. Die KJK setzt ihren Schwerpunkt auf das Thema psychische Erkrankungen und deren Behandlung.

Dass die Prävention auch in Oldenburg ein wichtiges Thema ist, betonen alle Experten ganz deutlich. „Jede Woche kommen rund 400 Kilo Marihuana in die Stadt, viel davon landet an den Schulen“, schätzt Tom Vater. Besonders problematisch sei der mittlerweile deutlich höhere Gehalt des Wirkstoffes THC, der bis zu 20 Prozent betragen könne. Zum Vergleich: In den 60er-Jahren lag dieser Wert noch bei etwa sechs Prozent.

Die Auswirkung dieser Wirkstoff-Steigerung beobachtet auch Tomke Tönjes von der Rose 12: „Die Cannabis-Abhängigkeit hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Mittlerweile suchen immer mehr Kinder und Jugendliche Hilfe bei uns“, berichtet die Leiterin der Suchtberatungsstelle in Oldenburg.

Karl-Jaspers-Klinik

Ulrike Mattiensen ist seit Anfang des Jahres Direktorin der Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie an der Karl-Jaspers-Klinik (KJK) in Wehnen. Sie arbeitet bereits seit 2006 als Ärztin an der Klinik.

Das Präventionsangebot der KJK ist für Schüler des 10. Jahrgangs ausgelegt, die in diesem Rahmen die Klinik besuchen. Dabei sollen psychische Erkrankungen Gesprächsthema sein. Informiert wird auch über Hilfsangebote, um die Schwelle zum Annehmen von Unterstützung zu senken.

Inhaltlich geht es zum Beispiel um die Fragen, welchen Einfluss Suchtmittel auf das Erleben und Verhalten von Jugendlichen haben? Wann ist professionelle Hilfe in welcher Form notwendig? Wie verläuft eine Behandlung in der Klinik und was kommt danach?

Interessierte können sich unter per Mail (sekretariatsuchtklinik@kjk.de) oder telefonisch (0441/9615334) melden

Eine ähnliche Einschätzung kommt aus der KJK. „Der Cannabiskonsum fördert verschiedene psychische Erkrankungen zutage. Die Zahl der dadurch bedingten Schizophrenien hat zum Beispiel deutlich zugenommen“, berichtet Matthiensen und zeigt damit die große Relevanz einer nachhaltigen Präventionsarbeit auf.

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg