Oldenburg - Wenn sich Lina Völz mit ihrer Patenschülerin zum Essen trifft, gibt es bewusst kein Stammlokal. Mal vietnamesisch, mal italienisch, mal japanisch – einfach mal etwas Neues und Unbekanntes wagen. Darum geht es kulinarisch, die Botschaft gilt jedoch ebenso für andere Lebensbereiche: Der Blick soll sich weiten, um wahrzunehmen, welche Chancen links und rechts des Weges liegen. Dies an junge Menschen zu vermitteln, ist ein wichtiger Aspekt des ehrenamtlichen Programms, in dem sich Völz engagiert.
Die 41-Jährige ist Job- und Entwicklungspatin. In dem Projekt soll die persönliche Entwicklung und berufliche Orientierung von Jugendlichen unterstützt werden. Das Angebot des städtischen Fachdienstes Bürgerschaftliches Engagement geht nun bereits in die 16. Runde. Ab sofort werden wieder Menschen gesucht, die sich in dem Bereich einbringen wollen.
Ziel erreicht
Völz hat ihre Patenschülerin kennengelernt, als diese 16 war. Heute ist sie bereits 18 Jahre alt und hat ihr damals formuliertes Ziel erreicht: Sie wollte es in die Oberstufen schaffen. Eine Hürde dabei war die deutsche Sprache, denn das Mädchen lebte noch nicht lange in Deutschland. Daher ging es bei den monatlichen Treffen mit ihrer Patin vor allem ums Sprechen. Ganz ungezwungen in der Freizeit. „Shoppen oder Eis essen, das geht immer“, berichtet Völz.
Gesucht werden Menschen, die Freude in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen haben, geduldig und reflektiert sind. Das Projekt richtet sich in erster Linie an Berufstätige. „Die Paten sind im besten Sinne Trüffelschweine, die die verborgenen Kompetenzen und Fähigkeiten der Jugendlichen entdecken. Sie fördern das Selbstvertrauen der Schüler, die Dinge selber anzupacken“, beschreibt Monika Engelmann-Bölts vom Fachdienst Bürgerschaftliches Engagement die Zielsetzung.
Weitere Infos gibt es beim Fachdienst unter Tel. 0441/235-2311 oder ehrensache@stadt-oldenburg.de.
Auch die Familie ihres Schützlings hat die Oldenburgerin kennengelernt. Dass die Eltern bei dem Projekt mit im Boot sind und den Paten Vertrauen schenken, ist ein wichtiger Aspekt des Projekts. Dann können sich auch die Jugendlichen ohne Sorgen auf ihre zusätzlichen erwachsenen Bezugspersonen einlassen. „Wenn die Bindung klappt, ist alles möglich“, erzählt Monika Engelmann-Bölts, Leiterin des zuständigen städtischen Fachdienstes.
Mehr als 550 Paten
Seit Beginn des Projekts im Jahr 2006 haben bislang über 550 Paten mehr als 700 Schüler aus Oldenburger Schulen begleitet oder begleiten sie noch. Alle Jugendlichen melden sich freiwillig und sind in der neunten Klasse einer Oberschule oder in der elften Klasse eines Gymnasiums. Die Stadt Oldenburg unterstützt die Ehrenamtlichen mit einführenden Grundlagenseminaren, Schulungen, regelmäßigen Treffen mit Erfahrungsaustausch und Coachings. Wer dann zusammen ein Duo bildet, entscheidet sich in der Regel in einem sogenannten „Speeddating“, also einem Treffen mit wechselnden Gesprächspartnern.
Bei Lina Völz fand das Kennenlernen in der Corona-Zeit und daher etwas anders statt. Trotzdem hat es gepasst, wie sie sehr schnell feststellen konnte. Auf ein Jahr ist das Projekt zunächst angelegt. Doch wenn beide Seiten das wollen, gehen die Treffen weiter. In der Zwischenzeit konnte Völz auch einen Praktikumsplatz vermitteln. Ansonsten geht es für ihre Patenschülerin immer noch viel ums Ankommen. „Ich will sie ein wenig raus aus ihrer Blase holen“, sagt die 41-Jährige. Das fängt mit der Wahl des Restaurants an – aber dort soll es nicht enden.
