Oldenburg - Er hat (nach Eigeneinschätzung) an die 20 Ehrenämter ausgeübt – und er hat Grundsätze. Vor allem die haben ihn bekannt gemacht. Der ehemalige Politiker Heinz Harzmann wird an diesem Dienstag 70 Jahre alt.
Der selbstständige Kaufmann hatte in eher späten Jahren eine flotte Karriere in der Politik hingelegt. Nur ein Jahr nach seinem Eintritt in die CDU (2000) wurde der frühere BTB-Vize in den Rat gewählt und blieb dort zehn Jahre, war zeitweilig stellvertretender Fraktionsvorsitzender, hielt in seinen sechs Jahren als stellvertretender Kreisvorsitzender CDU-Chef Lutz Stratmann während dessen Ministerzeit den Rücken frei und engagierte sich auf mehreren Ebenen in der Mittelstandsvereinigung.
Vom Naturell her war der Vater von zwei Söhnen und Liebhaber klassischer Musik (Dirigent im Kirchenchor) nicht unbedingt ein Rebell. Dass er aber der Politik nicht seine Grundsätze zu opfern bereit war, erfuhr die Union schon zweieinhalb Jahre nach Harzmanns Wahl in den Rat. Bei der Frage der Sonntagsöffnungen stimmte er nicht mit der Fraktion, weil er deren Pro-Haltung nicht mit seinem Glauben vereinbaren konnte.
Vor der Ratswahl von 2011 hatte der heutige Betriebsratsvorsitzende der NWZ -Zustellgesellschaft (u.a. durch die Aufgabe der Parteiämter) den planmäßigen Ausstieg aus der Politik vorbereitet. Der indes wurde spektakulär. Vier Monate vor der Wahl verließ er die CDU. Doch anders als andere, die vor Wahlen gern die Liebe zur anderen Partei entdecken, weil sie beim Kandidaturversuch von der eigenen abgebügelt worden sind, hatte Harzmann zuvor auf eine erneute Ratskandidatur aus freien Stücken verzichtet.
Den Schritt zur FDP begründete Harzmann u.a. mit der geäußerten Freude von Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Tod des Terroristen Bin Laden („mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, die CDU zu unterstützen“), aber auch mit einem Entfremdungsprozess zu Oberbürgermeister Gerd Schwandner. Dass er dessen Kandidatur einst maßgeblich gefördert hatte, nannte Harzmann „einen meiner größten Fehler“.
Seine (erwartungsgemäß erfolglose) Kandidatur für die FDP war, das wusste Harzmann, irgendwie inkonsequent. Aber räumte er ein, es sei „auch eine kleine Retourkutsche.“ So viel Ehrlichkeit muss halt auch sein.
