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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Erinnerung an die Toten der Kriege

19.11.2014

Oldenburg Man muss bisweilen weit hinaus bis an die Stadtgrenze fahren, und in wenigen Fällen benötigt man detektivisches Gespür – dennoch: Der Erste Weltkrieg, vielmehr das Gedenken an diese „Jahrhundert-Katastrophe“ ist überall im Oldenburger Stadtbild präsent. 16 Denkmäler erinnern an die vier Jahre von 1914 bis 1918 und deren unendlich vielen Todesopfer.

16 Denkmäler (mal dunkle Ringhalle, dann schlichter Findling, Relief oder friedliche Gartenanlage) – eine ungewöhnlich hohe Zahl im Vergleich mit anderen Anlässen. „Oldenburg war früher eben ein sehr großer Garnisonsstandort mit vielen Kriegervereinen und Ortsgruppen, die diese Erinnerungskultur selbst pflegten“, weiß Dr. Jörgen Welp, Kulturhistoriker der Oldenburgischen Landschaft. Die Stadt als Ganzes hätte gar nicht das Geld gehabt, so viele Stätten zu finanzieren. Übliche Praxis war deshalb, ab den späten 1940er-Jahren die Denkmäler beiden Weltkriegen zu widmen. „Fortschreibung“ nennt man dieses Vorgehen in der Denkmalkunde.

In allen Fällen spiegeln die wuchtigen, dann wieder filigranen Bauten die Zeit, in der sie entstanden oder verändert wurden. Das trifft in besonderer Weise auf das vielleicht bekannteste Oldenburger WK-1-Denkmal zu, den „91er Löwen“. Der über fünf Meter hohe Koloss, im Jahr 1921 vom Künstler Hugo Lederer geschaffen, stand zunächst auf dem Schlossplatz, „den Einundneunzigern zum Gedächtnis“, wie eine Inschrift erläutert. Das Symboltier mit seiner trutzigen Haltung blickte nach Westen, in Richtung des damaligen Feindes Frankreich. Als man aber Ende der 1960er-Jahre begann, den Schlossplatz umzugestalten, musste der Sandstein-Löwe, der von den Schlachten und Gefechten des 91er Infanterieregiments kündet, zum Theodor-Tantzen-Platz umziehen. Dort steht er nun, erweitert um eine Gedenktafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, etwas verloren am Rande der großen Wiese vor dem Bau des früheren Staatsministeriums – und blickt gen Norden.

Inschriften wie die auf diesem Denkmal („Heilige Flamme glüh / glüh und erlösche nie / fürs Vaterland“) mögen heutigen Lesern fragwürdig bis unverständlich erscheinen, sie erfüllten aber in den ersten Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eine wichtige Funktion. „Neben der Möglichkeit, Gefallene zu betrauern, und ihrer Funktion als Mittelpunkt eines Stadtteils zeugten solche Denkmäler in der Weimarer Republik auch von der Einstellung ,Jetzt erst recht‘ gerade vieler Veteranen“, meint Welp. Oftmals seien die Kommentare auf diesen Steinen nach heutigen Maßstäben kritisch zu bewerten; es sei andererseits aber ebenso fragwürdig, solche Sätze zu entfernen.

In dieser Richtung halten sich die meisten Oldenburger Denkmäler zum Ersten Weltkrieg aber eher bedeckt. „Unserer Toten“ reicht dem Gedenkstein neben dem Herbartgymnasium schon als Eintrag, und auch die Artillerie-Ehrenhalle, die 1921/23 nach Entwürfen von Kurt Boschen und Robert Charton neben der Ofener Straße 16 (heute Fachhochschule) entstand, gibt sich mit „den gefallenen Kameraden“ eher schlicht. Ähnlich bescheiden in der Aussage sind u.a. die durchaus großen Denkmäler der Gemeinde Ohmstede (Butjadinger Straße/Ecke Grashornweg) oder der Ortschaften Kreyenbrück und Bümmerstede (Sandkruger Straße/Nähe Alter Postweg). Andere Inschriften (z.B. „Ihr Sterben war ihres Leben größte Tat“) besitzen derweil den „auftrumpfenden Charakter“ (so Jörgen Welp) des aufkommenden Nationalsozialismus ab Mitte der 1920er Jahre, gleiches gilt für die aufstrebende Figur des großen Obelisken im kleinen Bürgerbusch (errichtet 1933).

Und dann ist da noch das 17. Denkmal zum Ersten Weltkrieg in Oldenburg – doch das ist öffentlich nicht zu sehen. Es handelt sich um ein Epitaph, das 1927 an eine Innenwand des damaligen Lehrerseminars an der Peterstraße 44 (heute staatliches Baumanagement) angebracht wurde. Dieses von der Kokoschka-Schülerin Elsa Oeltjen-Kasimir geschaffene Gedenken an die „214 gefallenen Brüder, die Lehrer des Landes“ gilt nicht nur Jörgen Welp als „bedeutendes expressionistisches Werk“. Der Stein transportiert aber auch eine für jene Zeit typische Blut-und-Boden-Parole. Erst 1985 wurde das Epitaph, wegen Renovierungsarbeiten, demontiert und zerstückelt auf dem Dachboden gelagert. Der heutigen Funktion der Denkmäler zum Ersten Weltkrieg als „Mahnmale“ (Welp) würde diese kulturhistorische Rarität nicht unbedingt genügen.

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