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NS-Zeitzeuge berichtet vor Polizei „Erinnerung aufrechterhalten, um zu lernen“

Vor dem Vortrag (von links): Carsten Rose, Alina Treiger, Johannes Spohr, Natali Herschel, Tswi Herschel, Johann Kühme und Andrea Marquardt

Vor dem Vortrag (von links): Carsten Rose, Alina Treiger, Johannes Spohr, Natali Herschel, Tswi Herschel, Johann Kühme und Andrea Marquardt

Torsten von Reeken

Oldenburg - Eindringliche Mahnung zur Erinnerung: Der Holocaustüberlebende Tswi Herschel besuchte den Alten Landtag, um über seine Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Begleitet wurde er von seiner Tochter Natali Herschel, die über das Erbe des Holocaust in der Nachkriegszeit sprach, sowie von dem Historiker und Experten für den Nationalsozialismus Johannes Spohr. Veranstaltet wurde das Podiumsgespräch von der Polizeidirektion Oldenburg und der Polizeiakademie Niedersachsen. Besucht wurde es überwiegend von Polizeibeamten und Studenten der Polizeiakademie. Außerdem gehörten zu den etwa 160 Gästen Schüler der Oberschule Osternburg. Sie gestalten in diesem Jahr den Erinnerungsgang zur Reichspogromnacht. Als Vertreterin der jüdischen Gemeinde Oldenburg war Rabbinerin Alina Treiger anwesend. Für die Öffentlichkeit war die Podiumsdiskussion geschlossen.

In seiner Begrüßung machte Polizeipräsident Johann Kühme bereits deutlich, wie wichtig die Erinnerung an die NS-Verbrechen ist. Es sei gerade die Polizei, der als demokratische Institution eine besondere Rolle im Kampf gegen menschenverachtende Ideologien zukomme. Mit der Veranstaltung solle die entsprechende Verantwortung und die Wichtigkeit von Erinnerungskultur nahegebracht werden.

Berührtes Publikum

Tswi Herschel berichtete ausführlich über sich und das Schicksal seiner Familie. Herschel wurde 1942 während der nationalsozialistischen Besatzung in den Niederlanden geboren. Er war vier Monate alt, als seine Eltern ihn einer evangelischen Familie übergaben, um ihn vor der Verfolgung der Nazis zu schützen. So konnte er überleben. Seine Eltern hingegen wurden wenige Monate später ermordet. Herschel zeigte dem berührten Publikum mehrere Dokumente über sich und seine Familie. Dazu gehörten auch Kindheitsfotos von Herschel. „Staatsfeind Nr. 1“, bemerkte er zu einem Foto von ihm selbst. „Und was war sein Verbrechen? Er hatte vier jüdische Großeltern.“

Wenn er seine Lebensgeschichte erzählt, das machte Herschel immer wieder deutlich, geht es ihm um die Erinnerung an die Verbrechen. „Man muss die Erinnerung aufrechterhalten, um zu lernen, die Zeichen einer sich wiederholenden Geschichte zu erkennen.“ Antisemitismus, das betonte er immer wieder, existiere nach wie vor. Die Polizeibeamten mahnte Herschel zu besonderer Verantwortung, auch vor dem Hintergrund jüngerer rechtsextremer Vorfälle bei der Polizei wie Chatgruppen mit Nazi-Inhalten.

Große Verantwortung

Auch Tswi Herschels Tochter Natali stellte die Verantwortung ins Zentrum ihres Vortrags. Sie berichtete insbesondere von ihren Erfahrungen als Teil der Nachfolgegeneration der Überlebenden. Es sei eine Generation ohne Großeltern, eine Generation, die mit einem Trauma aufgewachsen sei, das sie selbst nicht erlebt habe. Die Überwindung dieses Traumas bezeichnete sie als unmöglich, zu groß sei die Last.

Was bei der Veranstaltung immer wieder deutlich wurde, war die Rolle der Erinnerung. Alle Redner mahnten immer wieder zur Verantwortung jedes Einzelnen, dass ein Verbrechen wie der Holocaust nie wieder geschehen dürfe. Tswi Herschel zeigte sich hoffnungsvoll, seinen Zuhörern diese Verantwortung nähergebracht zu haben.

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