Oldenburg - Kein Verkehr und viel gepflasterte Wege – eine ideale Umgebung, um zum ersten Mal im Leben Fahrrad zu fahren. Das tun gerade 14 Frauen aus Eritrea, Syrien, dem Irak und Afghanistan vor dem Hangar der Initiative „Fahrräder für Flüchtlinge“ am Fliegerhorst. Gefördert von der Claus-Hüppe-Stiftung, nehmen sie an einem fünftägigen Kursus teil, um die ungewohnte Fortbewegung auf dem Fahrrad zu erlernen.
Rudi Czipull und Wolfgang Bertram von der Verkehrswacht Oldenburg-Stadt leiten den Kurs. Sie führen die Neu-Radlerinnen durch einen Parcours, geben Tipps zur Korrektur und sprechen Teilnehmerinnen, die sich schwerer tun, Mut zu. „Ein großer Teil unserer Arbeit besteht deshalb darin, den Teilnehmerinnen die Angst zu nehmen“, so Rudi Czipull. „Das Gleichgewicht ist auch oft ein Problem, gerade wenn man es als Erwachsener wieder trainieren muss“, sagt Czipull. „Ab 12 bis 15 Stundenkilometern hält sich das Rad selbst aufrecht, aber bis dahin braucht man eine Portion Mut, wenn man das Gefährt noch gar nicht kennt. Und sich bei geringerem Tempo auszubalancieren, erfordert zudem auch Kraft.“ Um den Frauen die Gewöhnung an die wackligen Zweiräder zu erleichtern, haben die Lehr-Fahrräder der Verkehrswacht Pedalen, die sich abklappen lassen, so dass das Fahrrad zunächst als Laufrad dient.
Einige Frauen haben noch größere Schwierigkeiten und versuchen zunächst, ihr Gleichgewicht auf einem Roller sicher zu halten. „Das ist normal, jeder lernt unterschiedlich schnell“, sagt Inge Viezens, Begründerin von „Fahrräder für Flüchtlinge“, die einen solchen Kurs schon einmal anbot. „Am letzten Tag können alle problemlos mit dem Fahrrad auf die Straße – und haben richtig Spaß am Radfahren.“ Das kann auch Ghaedaa Bader bestätigen, die als Dolmetscherin dabei ist. „Ich war letztes Jahr selbst in dem Kurs und fand es am Anfang richtig gefährlich. Jetzt bin ich selbst mit dem Fahrrad hierhergekommen“, sagt sie schmunzelnd.
In dieser Woche, bis zum 7. Juli, findet ein weiterer Kurs statt, der bereits ausgebucht ist. Darüber hinaus gibt es eine Warteliste mit weiteren Interessierten. „Insofern wäre es schön, wenn wir noch Unterstützung für einen dritten Kurs zusammen bekommen“, sagt Inge Viezens.
Darüber hinaus sucht die Initiative zurzeit weiterhin nach Fahrrädern für Kinder und Jugendliche. Wer entsprechende Räder spenden möchte, kann sich bei Thorsten Strauss unter Tel. 36 14 59 51 melden oder per E-Mail unter rad-werkstatt@yahoo.de .
