Etzhorn - Eigentlich war es so etwas wie ein doppeltes Missverständnis, das am Ende dann doch für beide Seiten passte: Im Etzhorner Restaurant „Patentkrug“ wurde am Mittwochabend eine Szene für den Film „Overdose“ gedreht. Ein Film, an dem die Leeraner Regisseurin Ilka Sparringai schon lange arbeitet.

„Was Rustikales“ habe die Filmcrew ursprünglich gesucht, erinnert sich Patentkrug-Inhaber Izzettin Tekce an den ersten Kontakt im Dezember – und an seine Reaktion: „Dann seid ihr hier falsch.“ Weil das moderne Innere des vor drei Jahren komplett sanierten Restaurants die Filmemacher dann aber doch auf Anhieb überzeugte, sagten sie zu. Izzettin Tekce tat es seinerseits, weil er anfangs glaubte, ein Studentenfilmprojekt zu unterstützen. „Mit so einem professionellen Dreh habe ich gar nicht gerechnet.“

Für Dreharbeiten in Corona-Zeiten gelten selbstverständlich besondere Herausforderungen und Genehmigungen, alleine schon bei der Verpflegung der Crew. „Das Hotel hat uns wahnsinnig unterstützt“, betont Produktionsleiterin Bianca Beer. So seien etwa kostenlos Zimmer für die Maske bereitgestellt worden „Für uns als kleines Filmprojekt ohne große Mittel ist so etwas eine große Hilfe.“

„Overdose“ – ein packender Debütfilm

Hauptdarsteller Friedrich Bochröder (unter anderem „Strict Rules, 2017) und Regisseurin Ilka Sparringa arbeiten bereits seit fünf Jahren an dem Drehbuch zum Thriller „Overdose“. Gedreht wurde im Januar/Februar vergangenen Jahres an 15 Tagen. Mit den 20 Drehtagen in diesen Wochen soll der Film am 10. März dann „im Kasten“ sein. Kameramann ist Nikita Romanov.

Weitere Schauspieler: Jörn Hentschel (unter anderem bekannt aus dem Film „Ballon“, 2018), Dennis Madaus („Die Spezialisten“, 2018), Sarah Alles („In aller Freundschaft“, „Akte Ex“), Paul Boche („Fucking Berlin“, 2015, und „Zazy“, 2016), Charles Rettinghaus („Pastewka“, 2014, und „Wishlist“, ab 2016).

Regisseurin Ilka Sparringa (25) ist gebürtige Leeranerin hat neben einigen Kurzfilmprojekten in Deutschland und den USA für Fernseh- und Filmproduktionen gearbeitet. Unter anderem war sie am Musikvideo „Purpose“ (2015) von Justin Bieber, dem Zweiteiler „Gladbeck“ (2016) und dem TV-Spielfilm „Ein Kind wird gesucht“ (2017) mit Heino Ferch beteiligt.

Vor allem aber mussten am Mittwoch 15 Komparsen (darunter vier von der „Patentkrug“-Belegschaft) erst einmal getestet werden, bevor sie als Restaurantgäste mit der Crew und den Schauspielern (für die dieses Prozedere regelmäßig ansteht) zusammentrafen. Alles in allem 50 Personen kamen so zusammen, was in Corona-Zeiten aufwendige Maßnahmen mit sich bringt.

Knapp vier Stunden wird an diesem Abend gedreht. Eigentlich will Anwalt Nickolas Schott (gespielt von Friedrich Bochröder) nur ein gemütliches Abendessen mit seiner Frau genießen (Sarah Alles), doch das wird abrupt gestört. Am Ende werden laut Drehbuch davon eineinhalb Minuten übrig bleiben. Nicht viel, für Izzettin Tekce aber dennoch ein Gewinn; neben der Erfahrung kann er mit dem Dreh in den sozialen Netzwerken werben.

Im 100-Minuten-Thriller um Mord, illegale Medikamententests und Drei-Klassen-Gesellschaften wird das Restaurant zwar in Leer stehen, wo die fiktive Geschichte, die an reale Fälle anknüpft spielt. Dort wurden und werden vor allem die Außenaufnahmen gedreht, in Aurich, Weener und Wilhelmshaven weitere Szenen.

Möglichst im Sommer soll „Overdose“ auf Festivals vorgestellt werden, berichtet Produktionsleiterin Bianca Beer, bevor der Film dort hoffentlich auf das Interesse von Streamingdiensten oder Sendern stößt.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)