Oldenburg/Hannover - Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) schlägt Alarm. Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Reform des Medizinstudiums gefährden nach Ansicht Thümlers das erfolgreiche Kooperationsmodell der European Medical School (EMS) Oldenburg mit der Uni Groningen.
Der Entwurf der neuen Approbationsordnung für Ärzte sieht eine Verschärfung der Studieninhalte vor. So soll die Große Forschungsarbeit strikt auf zwölf Wochen begrenzt werden. Aus Sicht Thümlers völlig unverständlich: „Die 20-wöchige Große Forschungsarbeit mit Aufenthalt in Groningen sowie die Koordination der Studienabläufe über Landesgrenzen hinaus zeichnen den Oldenburger Modellstudiengang aus.“ Die neue Vorgabe entziehe der Oldenburger EMS die Grundlage.
Als „Juwel“ der medizinischen Ausbildung im Nordwesten bezeichnet Thümler zudem das große Netzwerk an Hausarztpraxen in der medizinischen Ausbildung. „Wenn jetzt die räumlichen, personellen und zeitlichen Anforderungen an die Lehrpraxen massiv in die Höhe getrieben werden, müssen wir uns nicht wundern, wenn sich die Hausarztpraxen bedauernd aus der medizinischen Ausbildung verabschieden“, sagte er gegenüber der NWZ. Spahns Referentenentwurf, der diesen Monat in die Anhörung gehen soll, lässt die Approbationsordnung von derzeit 44 auf 183 Paragraphen anwachsen. Thümler fürchtet, das Medizinstudium werde bürokratischer, starrer und teurer.
Dekan befürchtet Nachteile
Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften, teilt die Kritik des Ministers. „Bislang lässt der Entwurf eine Überregulation und damit eine Benachteiligung gerade der innovativen Medizinstandorte wie Oldenburg befürchten“, so Nothwang. Der europaweit einzigartige Studiengang lebt von der intensiven Kooperation mit der Uni Groningen. „Das Studium zeichnet sich schon jetzt durch frühe Patientenkontakte, fächerübergreifendes Arbeiten, problemorientiertes Lernen, einen konsequenten Forschungsbezug und ein intensives Kommunikationstraining aus. Es besteht die Gefahr, dass diese internationale Ausrichtung des medizinischen Studiengangs künftig stark erschwert oder sogar verhindert wird, da eine zeitliche Abstimmung von Lehrinhalten mit den niederländischen Nachbarn nicht umsetzbar scheint.“ Die Oldenburger Universitätsmedizin betrachte den aktuellen Entwurf daher mit Sorge.
Kritik von der Ärztekammer
Scharfe Kritik kommt auch von der Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker: „Wir bauen darauf, dass Bund und Länder alles unternehmen, um die Medizinerinnen- und Medizinerausbildung nicht noch weiter zu verkomplizieren“, sagte sie dieser Zeitung. „Entscheidend ist, dass schnell mehr Studienplätze geschaffen werden.“
