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Ärger In Eversten Das lange Warten auf die Erleuchtung

Lea Bernsmann

Eversten - Angst im Dunkeln hat Jamson nicht. Trotzdem begleitet ihn seine Mama im Winter lieber zur Schule. Jessica Bleys Sorge, ihrem Zehnjährigen könnte was passieren, ist nicht ganz unbegründet: Der unebene und verschlungene Weg zwischen Eichendorffstraße und Autobahnunterführung neben der Husbäke ist unbeleuchtet und in dunklen Jahreszeiten stockfinster.

Die Anwohner – Familien mit kleinen Kindern, alleinstehende Frauen, ältere Herrschaften – wollen das ändern und haben nun eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der sie sich an die Stadt wenden.

Die Forderungen

Udo Herreilers aus der Eichendorffstraße schreibt an den Bau- und Umweltdezernenten Sven Urhahn: „Schüler auf dem Weg zur IGS Marschweg oder zur Hermann-Ehlers, Eltern mit Kindern, die zur Kita Wienstraße und Am Schießstand wollen, können bei Dunkelheit diesen unbeleuchteten Weg nicht benutzen.“ Betroffen seien auch Kinder und Jugendliche, die zum Olantisbad oder ins Stadion zu Sportkursen wollen. Ebenso würden in Eversten wohnende Arbeitnehmer, die etwa ins Klinikum Kreyenbrück müssten, den unbeleuchteten Weg benutzen. Mit 69 Unterschriften im Rücken fordert er eine Beleuchtung des Weges.

Die Vorgeschichte

Alternatives Licht

Das Problem:  Geh- und Radwege mit starkem Baumbewuchs sollen im Sinne des Naturschutzes nur gering ausgeleuchtet werden, denn Straßenlaternen locken nachtaktive Insekten an. Sie tummeln sich im Bann des Lichtscheins, verbrennen an den Leuchtkörpern, sterben vor Erschöpfung durch das ständige Umkreisen oder werden zu leichter Beute für Fressfeinde. Ins Gehäuse eingedrungene Insekten sind dort gefangen, gehen durch die Hitze zugrunde oder verhungern. Davon sind zahlreiche geschützte Insektenarten betroffen. Auch Fledermäuse können Schaden nehmen. Die parallel zur Wittebäke verlaufende Wegeverbindung liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Darum wurde vom Fachdienste Naturschutz und technischer Umweltschutz die Beleuchtung des Weges abgelehnt.

Mögliche Lösungen:  Wie stark künstliches Licht Insekten anlockt, hängt von dessen Farbspektrum ab: Leuchtmittel mit einem möglichst geringen Ultraviolett- und Blauanteil schont nachtaktive Insekten. Besonders naturverträglich sind Natriumdampf-Hochdruck-Lampen und Leuchtdioden. LED-Lichtstrahlen lassen sich sehr stark bündeln. Es gibt Leuchten, die vorrangig die zu beleuchtende Fläche anstrahlen und nicht die gesamte Umgebung. Angeboten werden auch Leuchtengehäuse, die gegen das Eindringen von Spinnen und Insekten geschützt und deren Oberflächentemperatur nicht zu heiß wird. Außerdem besteht die Möglichkeit, Beleuchtung an Siedlungs- und Gewässerrändern oder in den Kern-Nachtstunden zu reduzieren oder ganz abzuschalten. Eine weitere Möglichkeit wären Bewegungsmelder in den Leuchten.

Zur Beleuchtung wurde im Februar bereits ein ähnlicher Antrag im Verkehrsausschuss abgelehnt. Zum einen Aufgrund der hohen Kosten (60 000 Euro) zum anderen wegen der Stellungnahme des Fachdienstes Naturschutz und technischer Umweltschutz, der Insektensterben an neuen Lampen und Schutz der Fauna im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet anmahnte.

Die Debatte

Das Horrorszenario des Insektensterbens sei zwar grundsätzlich berechtigt, beziehe sich aber auf mittlerweile verbotene Quecksilber- und Natriumdampflampen, wirft Anwohner und Initiator der Unterschriftenaktion Udo Herreilers ein. „Und genau solche alten Lampen beleuchten aktuell Wege, die entlang und quer durch das Landschaftsschutzgebiet führen“, echauffiert er sich. Seiner Meinung nach gäbe es genügend Alternativbeleuchtungen auf dem Markt, die Natur und Tier nicht gefährden (siehe Infokasten).

Die Lösungssuche

Die Alternativen für den unbeleuchteten Weg sind aus Sicht der Anwohner nicht tragbar: Von der Eichendorffstraße über den vielbefahrenen Marschweg ohne Radweg, den ebenso hochfrequentierten Sodenstich oder die Bodenburgallee seien für Kinder und Jugendliche gefährlich.

Weitere Probleme

Als Konsequenzen der neuen Asphaltierung der Eichendorffstraße fahren deutlich mehr Autos, die die Sodenstich/Marschweg Kreuzung umgehen wollen – und das trotz 30er-Zone mit deutlich höherer Geschwindigkeit – durch die Eichendorffstraße, berichten die Anwohner. Da hier weder Rad- noch Fußwege sind, parken viele Autos am Straßenrand und gefährden Passanten und Radler. Udo Herreilers und seine Nachbarn fordern hier striktere Maßnahmen wie Bodenschwellen.

Mit den Antworten der Stadt will man sich nicht zufriedengeben. Mittlerweile ist der Bürgerverein Eversten eingeschaltet. Bis sich eine Lösung auftut, werden Mütter wie Jessica Bley ihre Kinder im Winter weiter zur Schule begleiten – und hoffen, dass man sie nicht im Dunklen lässt.

Das sagt die Stadt zu den Forderungen

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