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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

EWE-Chef Brückmann steht kurz vor dem Aus

08.02.2017

Oldenburg Vorstandschef Matthias Brückmann steht im Zuge der Klitschko-Spenden-Affäre bei der EWE vor dem Aus. Das achtköpfige Präsidium des Aufsichtsrates hat auf seiner Sitzung am Dienstag einstimmig die Ablösung des 54-Jährigen empfohlen, teilte das Oldenburger Energieunternehmen mit.

Endgültig über die Zukunft Brückmanns entscheiden werde der gesamte Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 22. Februar, hieß es weiter. Bis dahin werde der Vorstandsvorsitzende im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrats-Präsidium sein Amt ruhen lassen.

Hauptgrund für die bevorstehende Ablösung Brückmanns ist eine Spende von 253.000 Euro, die der EWE-Vorstandschef im vergangenen Jahr eigenmächtig an die Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko überweisen ließ.

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Brückmann hatte als Gegenleistung für die Spende nach Medienberichten einen Besuch des Ex-Champions in Oldenburg erwartet. Die Klitschko Management Group betonte aber, an die Spende seien keinerlei Bedingungen geknüpft gewesen. Der EWE-Chef und Klitschko gelten als gute Bekannte.

Der Aufsichtsrat war überrascht, als er von der Spende erfuhr - denn Zahlungen in dieser Höhe müssen vom Finanz- und Prüfungsausschuss genehmigt werden. Der Verstoß gegen interne Regeln ist umso brisanter, weil Brückmann bei seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender im Jahr 2015 als Erneuerer angetreten war. Spenden dürften nicht nach dem Gutdünken von Einzelpersonen vergeben werden, hatte er im Frühjahr 2016 der NWZ gesagt. „Jeder Cent muss der Satzung entsprechen.“

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Auch der EWE-Verhaltenskodex, der über die Homepage einsehbar ist, macht unmissverständlich klar: „Die Vergabe von Spenden und Sponsoring-Zuwendungen hat stets transparent zu erfolgen. Das heißt, dass der Empfänger und die Verwendung der Zuwendung bekannt, geprüft und dokumentiert sind“, heißt es dort. Warum der Vorstandsvorsitzende sich über diese Regeln hinwegsetzte, ist unklar.

Brückmann sieht die Spende inzwischen selbst als Fehler. Am Freitag teilte er mit, die 253.000 Euro privat zu übernehmen. „Ich will nicht, dass das Unternehmen unter der Diskussion oder meinem persönlichen Fehler leiden muss.“

Der Aufsichtsratsspitze war das nicht genug. „Unser Ziel und Auftrag ist es, in dieser Situation weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden sowie Ruhe und Stabilität wiederherzustellen“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan-Andreas Kaulvers die Forderung nach einem Aus für den EWE-Chef.

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Vor der heiklen Sitzung des Präsidiums hatte Brückmann noch Unterstützung von mehreren EWE-Führungskräften bekommen. In einem offenen Brief an die Aufsichtsratsmitglieder sprachen sie ihm ihr „vollstes Zutrauen und Vertrauen“ aus. Andere blieben kritisch.

Um die vielen Fragen zu klären, hatte der Aufsichtsrat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt. Ein erstes Gutachten wurde am Dienstag im Präsidium diskutiert. Darin werden verschiedene Vorwürfe gegen Brückmann untersucht, wie Präsidiumsmitglied Heiner Schönecke sagte. „Jeder bildet sich seine Meinung“, fügte er hinzu.

Auch die anderen Mitglieder des Aufsichtsrates warten auf Erklärungen. „Wir werden Fragen stellen“, sagte etwa Aufsichtsratsmitglied Immo Schlepper von der Gewerkschaft Verdi, der nach eigener Aussage erst über Medien von der umstrittenen Spende erfuhr. Der EWE-Sprecher bestätigte: „Es gibt eine große Unruhe im Unternehmen.“

Welche Vorwürfe noch gegen den EWE-Chef erhoben werden, ist bislang unklar. Dem Konzernsprecher zufolge gibt es mehrere anonyme Briefe, die in unterschiedlichem Wortlaut verschiedene vermeintliche Fehler Brückmanns anprangern. Verschickt wurden sie an ausgewählte Mitglieder des Aufsichtsrates. Beim niedersächsischen Landtagsabgeordneten Schönecke (CDU) blieb der Brief tagelang unbeachtet. „Briefe ohne Absender sind nicht die ersten, die man aufmacht“, sagte er. Erst als Schönecke von einem anderen Aufsichtsratsmitglied auf den brisanten Inhalt hingewiesen wurde, habe er den Brief geöffnet.

Nun ist der Aufsichtsrat am Zug. Es wird erwartet, dass er den Empfehlungen des Präsidiums folgt und Brückmann am 22. Februar abberuft. Viele sind zudem gespannt, wie die Oldenburger Staatsanwaltschaft entscheidet. Sie prüft derzeit, ob sie gegen Brückmann ein Ermittlungsverfahren wegen des möglichen Anfangsverdachts der Untreue einleitet.

Den beiden Mitgliedern des EWE-Vorstands, Michael Heidkamp und Wolfgang Mücher, sprach das Gremium sein uneingeschränktes Vertrauen aus. Man werde nun die nötigen Vorbereitungen dafür treffen, am 22. Februar die derzeit vakanten Vorstandsmandate wieder zu besetzen, kündigte Aufsichtsratschef Kaulvers an.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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