Oldenburg - 860 Euro hat Prof. Dr. Peter Janiesch für seine beiden auf dem Garagendach stehenden Solarmodule inklusive Montage bezahlt. Die Stadt beteiligte sich auf seinen Antrag hin mit 300 Euro aus dem Förderprogramm Photovoltaik an den Kosten. Im vergangenen Jahr hat er mit seiner Anlage 583 kWh Strom erzeugt und davon 148 kWh mit einem Marktwert von knapp 60 Euro ins öffentliche Netz eingespeist.
In die Steckdose
Der erzeugte Strom wird über eine Steckdose eingespeist, in seinem Haushalt verbraucht und der Überschuss ins öffentliche Netz abgegeben. Nach Angaben von Janiesch ist das in seinem Fall pro Jahr Strom im Wert von 30 Euro, den die EWE, wo er Kunde ist, nicht auszahlt.
Mit einigen weiteren Besitzern von Klein-Solaranlagen hat er nun schriftlich beim Energieversorger angefragt, ob das Geld nicht in einen Fonds fließen und für einen guten Zweck eingesetzt werden könnte (unsere Redaktion berichtete). „Nein“, war die Antwort. Und nicht nur das: Die EWE verlangte für den „Messstellenbetrieb ET“ einen Betrag in Höhe von 7,77 Euro. Mitgeteilt wurde ihm das in einer Rechnung mit der Überschrift „Gutschrift“ und „Servicekosten“ .
Balkon-Solaranlage
Im November vergangenen Jahres hatte unsere Redaktion über Rainer Müller und Beate Pyde berichtet. Sie betreiben ebenfalls eine sogenannte Balkon-Solaranlage. Müller schätzt die Menge des von ihm verschenkten Stroms im Jahr auf mindestens 230 kWh. Bei rund 500 solcher Anlagen in Oldenburg und ähnlichen Überschüssen kommt er sogar auf 115 MWh. Seinen Berechnungen zufolge streicht die EWE rund 40 000 Euro dafür ein.
Erlös spenden
Der Energieversorger hatte im November 2022 unserer Redaktion mitgeteilt, dass die Abwicklung sehr kompliziert werden könne: „Daher verzichten nahezu 100 Prozent der Betreiber von Balkon-PV-Anlagen auf eine Vergütung, da es sich hier in der Regel um Beträge von unter 10 Euro jährlich handelt.“ Peter Janiesch aber nicht. Er möchte, dass das Geld in einen Fonds für soziale Zwecke fließt oder der Strom an Haushalte mit geringen Einkommen sehr günstig oder kostenlos abgegeben wird.
Mit seiner Anlage spart Janiesch monatlich übrigens 31 Kilogramm CO
Gut für die Umwelt
Der städtische Umweltausschuss war sich am Donnerstagabend darin einig, diesem Geschäftsgebaren der EWE möglichst einen Riegel vorzuschieben und einen entsprechenden Antrag zu erarbeiten. EWE-Netz-Sprecher Volker Diebels teilte am Montagabend mit: „Der eingespeiste Strom aus Erneuerbaren Energien (EEG) wird von den Netzbetreibern an die Übertragungsnetzbetreiber weitergeleitet und von diesen an der Börse gehandelt. Der Börsenerlös landet im EEG-Topf und nicht in den Gewinnen der Netzbetreiber.“
