Oldenburg - Die Ablehnung eines Oldenburger Kassenpatienten zur Weiterbehandlung bei Urologen in der Region ist, anders als vom Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen behauptet, offensichtlich kein Einzelfall. Und nicht nur das, betroffen sind auch andere medizinische Bereiche, wie Reaktionen unserer Leserinnen und Lesern belegen.
Vergebliche Suche
Doch zunächst zu den Urologen: Auch ein 48 Jahre alter Oldenburger möchte Vorsorgeleistungen in Anspruch nehmen. Einen Grund-Check-up lässt er von der Hausärztin machen, schreibt er. Für die Prostatakrebsvorsorge benötigt er aber einen Termin beim Urologen, für das zweijährlich anstehende Hautkrebs-Screening ebenfalls einen beim Hautarzt. „Trotz intensiver Bemühungen per Telefon, E-Mail und Terminportalen der jeweiligen Fachärzte habe ich in einem Umkreis von 30 Kilometern keinen Termin erhalten“, teilt er mit.
Entgegen den Aussagen des Bürgertelefons des Bundesgesundheitsministeriums und seiner Krankenkasse, dass gesetzlich verankert sei, dass auch Routineuntersuchungen durch den Terminservice 116117 vermittelt werden müssten, weise die Kassenärztliche Bundesvereinigung dies auf ihrer Internetseite ab. Dort ist zu lesen: „Die Terminservicestellen dürfen laut Gesetz nur Termine für Untersuchungen und Behandlungen in dringenden Fällen (Termin innerhalb von 35 Tagen, im Akutfall spätestens am Folgetag) vermitteln.“ Früherkennungsuntersuchungen fallen folglich nicht darunter, mit Ausnahme von Untersuchungen im Kindesalter (U-Untersuchungen).
Unter https://eterminservice.de/terminservice findet sich wohl unter „Termine buchen“ ohne Vermittlungscode nur eine auf die Auswahl (Augenarzt, Frauenarzt, Hausarzt, U-Untersuchungen, Kinderarzt, Psychoth. Sprechstunde für Erwachsene, Psychoth. Sprechstunde für Kinder & Jugendliche bis 21 Jahre, Coronatest mit und ohne Symptome) beschränkte Auswahlliste, so der Mann weiter. Die Fachärzte Urologie und Hautarzt seien nicht aufgeführt, sodass man für Vorsorgeuntersuchungen online keinen Termin anfragen könne.
Code half nicht weiter
Im vorliegenden Fall, über den unsere Redaktion berichtete, half auch ein vom Hausarzt ausgestellter Dringlichkeitscode, mit dem man unter Tel. 116117 einen Termin verlangen könnte, nicht weiter. Ein zunächst zugesagter Termin einer Praxis in Wilhelmshaven wurde einen Tag später wieder abgesagt, weil man keine Patienten aus dem weit entfernten Oldenburg aufnehme.
Gespräche mit KVN
„Insgesamt wird sich das ganze Geschehen in etwa so ereignet haben, wie im Artikel dargestellt“, räumen Jasmin Steenken, Urologische Gemeinschaftspraxis Sandkruger Straße, und Dr. Jörg Wefer, Urologische Gemeinschaftspraxis Grüne Straße 11, ein. Sie befinden sich bereits seit ein paar Wochen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) im Gespräch, „ob und wie eine Kapazitätserhöhung zu realisieren ist, im rechnerisch überversorgten Bereich Stadt Oldenburg“. Denn: „50 Prozent unserer Patienten kommen nicht aus dem Stadtgebiet, sondern aus dem nahen und fernen Umland. Die Auslastung unserer Praxen resultiert unter anderem daraus, dass unsere Praxen in den letzten Jahren noch Nicht-Oldenburger Patienten angenommen haben, als die Kollegen im Umland – mangels eigener Kapazität – schon längst Aufnahmestopps verfügt hatten“, so Steenken und Wefer. Der Urologe versteht allerdings nicht, warum der Hausarzt/die Hausärztin nicht ein Fax mit Hausarztvermittlungsfall-Überweisung an seine Praxis geschickt hat. Wefer: „Es wäre ganz einfach gewesen und der Patient hätte seinen Termin bekommen.“ Und: „Die Problematik des eingeschränkten Neuaufnahmestopps betrifft nicht nur zwei urologische Praxen in Oldenburg, auch in den allermeisten Fach-, Hausarzt und Kinderarztpraxen besteht ein Aufnahmestopp.“ Eine Aussage, die sich auch in Zuschriften an unsere Redaktion wiederfindet.
