Oldenburg - Homeoffice, Schulunterricht von zu Hause oder Fernsehen: Das alles ist bei den Henzes nur stark eingeschränkt möglich. Die fünfköpfige Familie hat keinen Zugang zu schnellem Internet. Um dies zu ändern, hatten Wolfgang Henze und seine Frau Marlies bereits im Oktober 2020 ihren alten Vertrag bei der Telekom gekündigt. Was folgte, war eine Odyssee mit EWE und Telekom.
Nur 14 Mbit/s Datenübertragung
„Wir wissen einfach gar nicht mehr, was wir machen sollen“, klagt Marlies Bredow-Henze. Seit Wochen versuchen sie und ihr Mann, einen schnelleren Internetanschluss zu bekommen. Derzeit betrage die Datengeschwindigkeit bei ihnen nur schlappe 14 Mbit/s. Das reiche aber nicht aus, wenn die gesamte Familie im Corona-Lockdown von zu Hause arbeiten müsse.
„Ich musste schon meine Fortbildung abbrechen, weil ich nicht ins Netz gekommen bin“, sagt Wolfgang Henze, der als Schulsozialpädagoge an zwei Grundschulen in Nordenham arbeitet. Gerade jetzt, wo auch seine Kinder ihren Unterricht online bewältigen müssten, sei das Homeoffice für ihn kaum möglich. Er müsse seine Arbeit nun flexibel einteilen, so dass er das Netz nicht überlaste und den Online-Unterricht seiner Kinder nicht blockiere.
Gereizte Stimmung
Die Stimmung in der Familie sei gereizt, sagt Marlies Bredow-Henze. Kinder und Eltern würden regelmäßig aus ihren Online-Konferenzen fliegen. „Gerade der Große ist dann am Meckern.“ Sie habe sich daher entschieden, weiter zur Arbeit zu gehen und das Homeoffice zu vermeiden: „Das haut einfach nicht hin.“
Die Odyssee mit den Anbietern
Um schnellen Internetzugang zu bekommen, hatte die Familie bereits Ende Oktober ihren bis März 2021 laufenden Vertrag bei der Telekom gekündigt. Bei der Telekom selbst sei kein schnelleres Netz für die Familie möglich, habe es geheißen, sagt Wolfgang Henze. Er und seine Frau hätten sich daher entschieden, zur EWE zu wechseln – in der Hoffnung, schon vor März 2021 den schnelleren Zugang zu erhalten. Dass dies klappen könnte, sei von Telekom und EWE immer wieder in Aussicht gestellt worden.
Auf Anraten eines EWE-Partners hätten sie dann am 9. November gleich zwei Anträge bei der EWE gestellt: für VDSL mit 50 Mbit/s und für einen Glasfaseranschluss. Laut EWE müsse der Glasfaserhausanschluss erst gelegt werden, weshalb sich zunächst der VDSL-Vertrag empfehle.
Gegenseitige Blockade
Nach etlichen Telefonaten sei ihnen am 10. Dezember von der EWE mitgeteilt worden, dass zwei Anträge nicht gleichzeitig bearbeitet werden könnten, sagt Henze. Sie würden sich laut EWE gegenseitig blockieren. Daraufhin habe er den Glasfaserantrag storniert.
Doch wieder folgten nur widersprüchliche Nachrichten der beiden Anbieter: Mal seien Schalttermine in Aussicht gestellt worden, dann habe es plötzlich geheißen, die Telekom lasse sie nicht vorzeitig aus dem Vertrag. „Das ist eine totale Service-Wüste hier“, sagt Marlies Bredow-Henze. Auf das versprochene, schnelle Internet warten sie bis heute vergeblich.
Das sagt die EWE
Der VDSL-Anschluss mit 50 Mbit/s bestehe aus einem EWE-Glasfaserkabel und einer Kupferleitung der Telekom, sagt ein EWE-Sprecher. Hier sei die EWE auf Kooperation der Telekom angewiesen. Die Telekom habe die Anmietung der Kupferleitung durch die EWE bisher abgelehnt. Ab sofort sei dies aber möglich. Die EWE wolle die Leitung nun schnellstmöglich herstellen. Bis Redaktionsschluss reagierte die Telekom nicht auf eine Anfrage unserer Redaktion.
