Oldenburg - „Die drohende Krise konnte abgewendet werden“, zieht Ted Thurner, Geschäftsführer des Studentenwerks Oldenburg, eine Bilanz über das abgeschlossene Geschäftsjahr 2022. Vorübergehend hätten die Energiepreise das Zwanzigfache des Vorjahresniveaus erreicht. Dieser Extremwert war nicht von Dauer, dennoch wären die Kosten deutlich höher als zuvor gewesen.
Das Studentenwerk konnte nach eigenen Angaben mit einem harten Sparkurs gegensteuern. Doch erst der Nothilfefonds des Landes Niedersachsen für die Studentenwerke habe dafür gesorgt, dass die Mehrkosten nicht aus den Portemonnaies der Studierenden bezahlt werden mussten: „Die Sondermittel kamen direkt den Studierenden zugute“, betont Thurner. „Sie verhinderten nicht nur Preissteigerungen, sondern konnten auch in konkrete Akzente umgesetzt werden: So gibt es seit 2022 in allen Mensen ein tägliches „Niedersachsen-Menü“ für 2,50 Euro, das von den Mensa-Gästen sehr gut angenommen wird.“
Vertrauen erschüttert
Die zurückliegenden Krisenjahre hätten bei vielen Studierenden Spuren hinterlassen – zumal diese ja leider keineswegs vorbei seien. Die Unterstützung des Studentenwerks sei für sie bitter nötig. Gisela Degener, Leiterin des Psychologischen Beratungs-Service (PBS), fasst die Problematik so zusammen: „Der Schock der Pandemie hat bei vielen Studierenden das Vertrauen in die Planbarkeit und Sinnhaftigkeit ihres Lebens und ihres Tuns unter verlässlichen Rahmenbedingungen massiv erschüttert.“
Entsprechend sei die Nachfrage nach psychologischer Beratung deutlich gestiegen: Im vergangenen Jahr fanden 972 Beratungen an den drei Standorten in Oldenburg, Emden und Wilhelmshaven statt, im Gegensatz zu 774 im Jahr 2021. Die Zahl der Beratungen hatte im Vor-Corona-Jahr 2019 mit 809 auf einem wesentlich niedrigeren Niveau gelegen.
Mehr BAföG-Empfänger
Auch die BAföG-Abteilung des Studentenwerks Oldenburg bilanziert für 2022 eine spürbare Zunahme, und das gleich in doppelter Hinsicht: 5587 Studierende konnten durch Leistungen nach dem BAföG unterstützt werden, ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die durchschnittlich ausgezahlte Summe um gut 50 Euro, von 590 auf 641 Euro. „Diese Entwicklung war richtig gut“, zeigt sich die Leiterin der BAföG-Abteilung, Stefanie Vahlenkamp, zufrieden. Zudem erhielt jeder BAföG-Geförderte durch zwei Heizkostenzuschüsse insgesamt 575 Euro zusätzlich. Allerdings: Die von der Ampelkoalition angekündigte strukturelle BAföG-Reform, die unter anderem für eine automatische Anpassung der Studienfinanzierung an steigende Kosten sorgen würde, sei weiterhin nicht in Sicht, bedauert Vahlenkamp. Sie sei aber dringend notwendig, um in den kommenden Jahren sicherzustellen, dass sich niemand aus Kostengründen gegen ein Studium entscheiden muss.
