Oldenburg - Eine Million Euro zahlt die Stadt für das 110 Hektar große Fliegerhorst- Gelände an den Bund. 110 Hektar, das sind 1 100 000 Quadratmeter. Verkauft die Stadt das Land für 150 Euro pro Quadratmeter weiter, nimmt sie 165 Millionen Euro ein. Kein schlechtes Geschäft, sollte man meinen, doch die Realität sieht (leider) anders aus.
„Im Kaufvertrag ist die Nutzung der Flächen festgeschrieben worden. Wird nun eine Grünfläche als Bauland verkauft, muss die Stadt dem Bund von der erhöhten Wertschätzung etwas abgeben“, stellte CDU-Stadtratsfraktionschef Olaf Klaukien in der Sendung „Nordwestradio unterwegs“ klar. Gesendet wurde unter der Moderation von Stefan Pulß am Mittwochnachmittag direkt vom Fliegerhorst aus den Räumen der Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 43.
Thematisiert wurde die weitere Nutzung des Areals, das einst als Alexanderheide ein Naherholungsziel für die Oldenburger war. 80 Hektar bleiben für die städtische Beplanung übrig, sagte SPD-Fraktionschef Bernd Bischoff. Die einmalige Gelegenheit, einen komplett neuen Stadtteil möglichst unter Einbeziehung der Fachhochschule, der Vereine sowie Bürger neu zu beplanen, sollte man sich nicht entgehen lassen. „Auch die Nachfrage nach Einfamilienhäusern kann dort gedeckt werden“, frohlockte der SPD-Politiker. Der Bedarf nach Wohnraum wird in großen Teilen mit den Projekten in der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne und am Stau gedeckt, konterte Grünen-Fraktionssprecher Sebastian Beer die Baupläne Bischoffs.
An die Adresse von Renate Heim vom Naturschutzbund Oldenburg gerichtet versicherten die Politiker, ein bereits seit Jahren dafür ausgewiesenes 39 Hektar großes Areal auch tatsächlich unter Schutz zu stellen. Warum das nicht schon während der jüngsten Umweltausschusssitzungen geschehen ist, begründete Bischoff damit, zunächst mit der Bevölkerung ein Gesamtkonzept entwickeln zu wollen, in dem Wohnen, Gewerbe, Sport und Kultur Platz finden.
„Der Bedarf an kreativen Räumen ist groß“, unterstrich Michael Olsen die Hoffnung der Kulturschaffenden, Platz auf dem ehemaligen Fliegerhorst zu finden. Beispielsweise suchten 51 Bands Proberäume, auch für die bildenden und darstellenden Künstler würden Ateliers rar. Räume gingen aktuell beispielsweise am Artillerieweg/Pophankenweg und am Stau verloren, wo ehemalige Gewerbekomplexe für Neubauprojekte abgerissen würden.
Positive Signale von Politik und Verwaltung, das Gebäude 68 weiterhin als Museum nutzen zu dürfen, hat Guido Gotthardt, Vorstand der Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader 43, empfangen. Selbst Grünen-Politiker Beer gestand sein großes Interesse an Militärgeschichte ein.
Zum weiteren Fortgang: Im Januar wird sich der Bauausschuss mit dem Fliegerhorst befassen, im Februar soll sich ein Koordinierungsgremium konstituieren.
