Oldenburg - Auf seinem Weg in sein neues Leben in Oldenburg ließ Mohammad Sayehmir keinen einzigen Tag ungenutzt verstreichen. Mit 30 Jahren kam er 2015 aus Teheran (Iran) nach Deutschland. „Zusammen mit meiner Schwester. Wir haben das Land aus politischen Gründen verlassen“, sagt er. Die Flucht der beiden gelang über die Türkei und den Balkan.
Zielstrebiger Weg
In Oldenburg war Sayehmir in einer Flüchtlingsunterkunft in der Schlachthofstraße untergebracht. „Von dort aus bin ich schon am ersten Tag losgelaufen. Ich wollte Menschen finden, die mir erklären können, wie das Leben und die Gesellschaft in Deutschland funktionieren“, erzählt er. Der damals 30-Jährige hatte Glück. Er traf einen Iraner, der ihn zur Beratungsstelle Ibis vermittelte.
„Dort habe ich nach zwei Wochen mit meinem ersten Sprachkurs angefangen. Die ersten einfachen Sätze habe ich dort gelernt. Außerdem sind wichtige Kontakte entstanden.“ Einer davon sollte maßgeblich für die weitere Entwicklung sein. „Ein Bekannter hat mir den Verein Pro connect vorgestellt. Ich habe mir gleich einen Termin geholt“, so Mohammad Sayehmir.
Der Verein bringt geflüchtete Menschen und Unternehmen in der Region zusammen. „Beim ersten Kontakt schauen wir erst einmal, was der Mensch mitbringt und was seine Wünsche sind“, erklärt Geschäftsführer Hilger Koenig. Dann wird ein Kontakt zu einem möglichen Arbeitgeber hergestellt. Außerdem hat der Verein ein gutes Netzwerk mit dem Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit.
Für Mohammad Sayehmir, der im Iran ein Studium zum Fachinformatiker abgeschlossen hatte, konnte ein Kontakt zur LzO hergestellt werden. „Seine Bewerbung kam mit der Empfehlung einer Kollegin. Wir hatten bereits gute Erfahrung mit anderen Flüchtlingen gemacht, die wir eingestellt haben“, erzählt Christian Köhler, Direktor Privatkunden der LzO in der Stadt Oldenburg.
Eine schwierige Prüfung
Nach einem Praktikum bekam Mohammad Sayehmir einen Vertrag im Unternehmen. „Eine große Herausforderung für mich war das Fernstudium zum Sparkassenkaufmann während der Corona-Pandemie. Da hätte ich einmal fast aufgegeben“, sagt er. Durch Pro connect fand er Hilfe.
Der ehrenamtliche Ausbildungspate Gerold von Ohlen half bei der Bewältigung der Inhalte des Fernstudiums, besonders im Bereich der Fachsprache für Banken. Seit 2020 hat der heute 38-jährige Mohammad Sayehmir eine Festanstellung bei der LzO. Auch seine Schwester lebt und arbeitet in Oldenburg.
Der Verein Pro connect wurde 2015 gegründet. Seitdem wurden nach eigenen Angaben mehr als 750 Menschen aus Oldenburg, dem Ammerland und Delmenhorst in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt. Die Frauenquote liegt dabei bei 40 Prozent. Die LzO förderte die Arbeit des Vereins nun mit einer Spende von 3000 Euro.
