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Flüchtlinge in Oldenburg „Oldenburg hilft“ hat noch einiges vor

Der Verein „Oldenburg hilft“ schafft in der Donnerschweer Straße 12 einen neuen Anlaufpunkt (v.l.): Maik Günther und Elke Dannemann vom Vorstand mit Luciano Mazzola (Café-Manager) und Oleksandra Domova (Mitarbeiterin aus der Ukraine).

Der Verein „Oldenburg hilft“ schafft in der Donnerschweer Straße 12 einen neuen Anlaufpunkt (v.l.): Maik Günther und Elke Dannemann vom Vorstand mit Luciano Mazzola (Café-Manager) und Oleksandra Domova (Mitarbeiterin aus der Ukraine).

Sascha Stüber

Oldenburg - „Warum wird diese Riesenchance für Oldenburg nicht genutzt?“, fragen sich Maik Günther und Sebastian Seger vom Verein „Oldenburg hilft“. Als Riesenchance sehen sie das große Netzwerk, das der Verein seit Gründung als Initiative im vergangenen März geknüpft hat. Hunderte Oldenburger haben seitdem tatkräftig mit angepackt, noch mehr haben gespendet – Privatleute und Unternehmen. Allein an Finanzmitteln sei eine siebenstellige Summe zusammengekommen, sagt Seger.

Zu wenig Unterstützung

Nicht viel gekommen sei bisher allerdings von Verwaltung und Politik: Unterstützung habe es lediglich in Form einiger Sachspenden gegeben, bei der inhaltlichen Arbeit indes nicht, Gespräche seien bisher nur auf Initiative des Vereins erfolgt, sagen Günther und Seger. Und: Auf den Antrag des Vereins, drei hauptamtliche Stellen durch Mittel aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren, habe man bisher nicht einmal Antworten erhalten.

Der falsche Weg

Abgelehnt wurde das Ansinnen durch Nichtberücksichtigung im Haushalt. Und das, obwohl die Fraktionen die Arbeit des Vereins gelobt hätten – und beide daher optimistisch aus den Gesprächen gegangen seien, berichten sie. Dass Oberbürgermeister Jürgen Krogmann die Initiative im Interview mit unserer Redaktion namentlich als wesentlichen Bestandteil der drei Säulen zur Bewältigung der Flüchtlingsfrage benennt, haben Vereinsvorsitzender Günther und Seger zur Kenntnis genommen.

Gleichzeitig aber ärgert sie genau das mit Blick auf die von Krogmann angekündigten weiteren 900 Flüchtlinge bis April. Das von der Stadt gewollte „Auseinanderhalten von Aufgaben“ ist für Günther der falsche Weg. „Wir sollten vielmehr Synergien nutzen.“

Viele Ideen

Entmutigen lassen sich Vorstand und Lenkungskreis nicht. Im Gegenteil: Sie sprühen vor Ideen. An der Donnerschweer Straße 12 entstehen derzeit eine Beratungsstelle (beraten wird auch schon ohne eingeräumte Regale) und ein öffentliches Café namens „Rejoin“. Die Eröffnung ist für Februar geplant.

Das Kreativhaus an der Bloherfelder Straße soll für Integrationsangebote genutzt werden und auch Start-ups hervorbringen. Im „Relax“ an der Achternstraße gehören Traumaverarbeitung und mehr zum Angebot. Und auch das Thema Integration in den Arbeitsmarkt möchte der Verein vorantreiben.

Hoffen auf Förderung

Eine Finanzierung der drei hauptamtlichen Stellen bleibt für den Verein wichtig – „um all das abzusichern, was wir tun“. Denn die eingeworbenen Spenden gingen zu 100 Prozent in die humanitäre Hilfe, versichert Seger – etwa 30 Prozent werden in Oldenburg ausgegeben, 70 Prozent vor Ort in der Ukraine. Ohne Hilfe der Stadt müsse man sich nun an Förderer aus Stadtgesellschaft und Wirtschaft wenden – „an die, die die Sache voranbringen wollen“. Die drei Stellen seien „Teil der Zukunft des Vereins, egal, wie sie finanziert werden“. Denn rein ehrenamtlich sei das Modell der vergangenen zehn Monate keines für die nächsten zehn Jahre.

Runden Tisch initiiert

Auch die Fraktionen im Stadtrat hat der Verein noch einmal angeschrieben. Eingeladen sind diese – wie auch die Verwaltung – zu einem „Runden Tisch Ukraine“. Den veranstaltet der Verein am 30. Januar, 17 Uhr, mit anderen Initiativen und Vereinen an der Donnerschweer Straße 12. „Wir suchen die Zusammenarbeit“, so Seger. Und Günther ergänzt: „Wir bieten an, das gemeinsam zu tun. Denn gemeinsam wird es besser.“ Daher mache man einmal mehr den ersten Schritt. Denn beide wollen vor allem eins verhindern: das Scheitern. Denn auch wenn vieles in Oldenburg schon recht gut laufe, „wissen wir“, so Günther, „dass es noch besser ginge und sind enttäuscht, dass diese Chance nicht genutzt wird“.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)
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