Oldenburg - Selbst hartnäckige Bürgerfragen konnten die Mehrheit der Politik nicht umstimmen. Auch ohne Abstimmung – eine solche ist bei Einwohnerfragen nicht vorgesehen – wurde am Montagabend im Stadtrat deutlich, dass die Mehrheit des Gremiums am Bau eines Sport- und Gesundheitsbades am Standort des bisherigen Freibads Flötenteich festhält. Allerdings erhielten die Bürgerinnen und Bürger, die dem Neubau kritisch gegenüberstehen, auch Rückendeckung.
Werbung für Neubau...
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) hatte zuvor noch einmal die Idee des Sport- und Gesundheitsbades erläutert und den rund acht Jahre andauernden Prozess und die strategischen Aspekte der Bäderstrategie zusammengefasst. Zentraler Punkt sei ein Hallenbad für den Stadtnorden, das den Oldenburgern insgesamt ganzjährig mehr Wasserfläche biete. „Und das machen wir in einer Zeit, in der viele andere reduzieren. Wir wollen mehr bieten, mehr Wasserfläche, mehr Möglichkeiten.“ Er wies auf die Bedeutung für den Schul- und Vereinssport hin, aber auch für das Reha-Schwimmen. In vielen Gesprächen und langjährigen Diskussionen sei es gelungen, aus vielen Zielen ein Kompromiss zu finden. Sein Fazit: „In Summe gewinnen wir sehr viel für Oldenburg.“
Auf die durch die reine Freibadnutzung auf maximal 123 Tage beschränkte Schwimmzeit wies Margrit Conty (SPD) hin – und das bei abnehmender Schwimmfähigkeit der Bevölkerung, hoher Nachfrage nach Schwimmkursen und einem Mangel an Bewegungs- und Therapiebecken. Solche Nutzungen ließen auch ein saniertes Freibad nicht zu. Die Entscheidung für den Bau eines Sport- und Gesundheitsbades sei nach wie vor die richtige. Auch Rita Schilling (Grüne) sprach sich angesichts des Bedarfs an mehr Wasserfläche dafür aus, die Planungen zügig zu verfolgen – „auch wenn momentan die wirtschaftliche Lage sehr schwierig ist“. Eine reine Sanierung hätte nicht der ganzen Stadt genutzt.
Dass auch der angrenzende Campingplatz durch einen ganzjährigen Bäderbetrieb eine Aufwertung erfahren werde, hob Jens Lükermann (Volt) hervor – mit Vorteilen für den Tourismus in der ganzen Stadt. Und Nicolai Beerheide (Grüne) wies darauf hin, dass ein weiteres Hallenbad spätestens dann dringend benötigt werde, wenn – wie in der Bäderstrategie vorgesehen – die Stadtteilbäder saniert würden.
... und Widerspruch
„Mit dem Nein zum Cabrio-Dach und Schließung des Flussbades hat sich die Voraussetzung geändert“, widersprach Jonas Höpken (Die Linke). Ein zu öffnendes Dach (wie es der ursprüngliche Ratsbeschluss vorsah) wäre eine Möglichkeit, Freibadatmosphäre zu behalten. In diesem Sommer hatte sich eine Mehrheit des Rates allerdings gegen ein solches Dach ausgesprochen – auch um die Fläche mit Photovoltaikanlagen optimal zu nutzen. Höpken: „Es ist nicht akzeptabel, dass eine Stadt wie Oldenburg in einem solchen Ausmaß auf Freibadkapazitäten verzichtet.“ Der Entscheidungsprozess sei offenbar für viele Menschen nicht ausreichend transparent gewesen. Seine Folgerung: „Die Bäderstrategie muss ganz neu überdacht werden.“ Bis dahin müsse es ein Moratorium geben, der Abriss dürfe nicht beginnen.
Auch der CDU sei der Erhalt des Freibadcharakters wichtig, betonte Hendrik Klein-Hennig. „Zwei mickrige Außenbecken wie vorgesehen machen noch lange kein Freibad.“ Dass die Stadt in eine Kostenfalle laufe, befürchtet Andreas Sander (Piratenpartei).
