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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Friedhof geht auf Zuwanderer zurück

17.06.2014

Oldenburg Der jüdische Friedhof in Osternburg besteht in diesem Jahr seit 200 Jahren. Doch das Jubiläum wird wohl eher still begangen; nach Auskunft der jüdischen Gemeinde Oldenburgs sind keine besonderen Aktionen geplant.

Geschichtlich belegt ist der Gründungsakt: 1814 wurde der jüdischen Gemeinde gestattet, einen Friedhof vor den damaligen Toren der Stadt in Osternburg an der heutigen Dedestraße/Ecke Dragonerstraße anzulegen. Überlieferungen nach soll noch im gleichen Jahr die erste Bestattung hier erfolgt sein.

Rund 300 Grabstätten

Als in napoleonischer Zeit den Juden für kurze Zeit (1810 bis 1813) Freizügigkeit zugebilligt wurde, entstand durch Zuwanderer in Oldenburg eine kleine jüdische Gemeinde. Eines dieser Gemeindemitglieder erwarb 1814 in der damaligen Gemeinde Osternburg das Grundstück, auf dem sich noch heute der jüdische Friedhof befindet. Dort befinden sich rund 300 Grabstätten aus den Jahren 1814 bis 2010. Es wurden hier nicht nur Juden aus Oldenburg, sondern ebenso aus Bad Zwischenahn, Wardenburg und Elsfleth bestattet. 1862 wurde der Friedhof wesentlich erweitert. Die ältesten Gräber befinden sich vom Eingang gesehen in der hinteren rechten Ecke. Sie tragen allein hebräische Inschriften.

In Gedenken an seinen 1918 verstorbenen Sohn stiftete der Kaufmann Leo Trommer eine Trauerhalle, die am 1. Mai 1921 ihrer Bestimmung übergeben wurde. In der Reichspogromnacht (9./10. November 1938) versuchten Mitglieder der SA, das Gebäude in Brand zu setzen, was ihnen misslang. Sie verwüsteten jedoch das Innere. Während des 2. Weltkrieges verwahrloste der Friedhof. Zudem wurde auf dessen Areal ein Massengrab für 54 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter angelegt.

Immer wieder geschändet

Nach Kriegsende wurde der Friedhof wieder hergerichtet. 1951 folgte die Instandsetzung der Trauerhalle. Diese wurde danach 1974 umfassend restauriert.

Der Friedhof wird heute vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen sowie von der Stadt Oldenburg gepflegt. Er gilt als „offener Friedhof“; das heißt er wird noch benutzt. Zusätzlich hat Oldenburg auf dem städtischen Parkfriedhof in Kreyenbrück seit 2000 einen neuen jüdischen Friedhof.

Sehr zur Empörung vieler Oldenburger kam es wiederholt zur Schändung der Grabsteine und der Trauerhalle, offensichtlich durch Rechtsradikale. Dies war zuletzt in der Nacht vom 23. auf den 24. November 2013 der Fall. Unter der Federführung des Bürger- und Gartenbauvereins Osternburg-Dammtor wurde daraufhin eine Mahnwache veranstaltet.

Der Verein hatte zuvor bereits 2012 einen gut frequentierten „Tag der offenen Tür“ auf dem jüdischen Friedhof veranstaltet, um interessierten Bürgern einen Einblick hinter die Friedhofsmauern zu ermöglichen.