Oldenburg - Zum mächtigen Klang der Orgel entwickelt der Chor einen strahlenden, einnehmenden Glanz bei den dynamischen Höhepunkten. An mittelalterliche Gesänge erinnernde Melodien, gewürzt mit spätromantischer Harmonik durchziehen den Raum in der stark nachhallenden Akustik der Forumskirche St. Peter: „Kathedralklänge“, wie sie in den großen französischen Kirchen heute noch zu festlichen Hochämtern erklingen. In Saint-Sulpice in Paris haben die musikalischen Urväter der sinfonischen Orgelromantik, Charles-Marie Widor und Louis Vierne, jahrzehntelang an der dortigen großen Cavaillé-Coll Orgel gewirkt. Beide haben den katholischen Messtext (Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei) vertont: Messe solennelle in fis-Moll und in cis-Moll heißen diese klangschönen Werke.
Zart und wuchtig
Zwischen beiden Messvertonungen fragt Benedikt Feldhaus vom Forum St. Peter das Publikum, was jedem einzelnen heilig sei und betont dabei zu recht, dass dies auch die Musik sein könne.
Dem großartigen Engagement von GAG-Lehrer und Dirigent Oliver Dierks ist es zu verdanken, dass die beiden anspruchsvollen Werke vom Schulchor der Graf-Anton-Günther-Schule, gemeinsam mit dem dortigen Kammerchor, zu solch einer konzentrierten Aufführung gelangen können. In den lyrischen Momenten wird der zart und ausdrucksvoll singende Chor von mannigfaltigen Klangfarben der von Manuel Uhing hervorragend gespielten Sauer-Orgel umrankt. Bei den wuchtigen Passagen kommt der Chorklang besonders schön zur Geltung, wenn die Orgel mit mächtigem Staccato zum mehrstimmigen Gesang ertönt. Eine weitere klangliche Unterstützung leistet zudem die von Paulina Kilarska gespielte zweite Chororgel. Auch wenn beim harmonisch komplexen Geschehen die Intonation manchmal sinkt oder hier und da ein Einsatz etwas unsicher kommt, gelingt dem Schulchor der Graf-Anton-Günther-Schule doch ein beachtliches künstlerisches Gesamtergebnis bei diesem Konzert am Samstagabend. Und das Streben nach künstlerischer Vollendung ist sicher ein hohes Ideal für jeden Musiker und, um es mit der Frage von Benedikt Feldhaus zu beantworten, diesem auch etwas Heiliges.
Zugabe von Fauré
Für den dankbaren Applaus des Publikums in der vollbesetzten Forumskirche singt der Chor als Zugabe mit weichem Ausdruck und geschmeidig in der Tongebung zu den rhythmisch fließenden Klangfiguren der Orgel den „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré.
Am Ausgang wurde um eine Spende für die Renovierung der Sauer-Orgel gebeten. Es ist sicher wichtig, solch ein großartiges Instrument zu erhalten, so dass ähnliche Klangerlebnisse mit sinfonischer Orgelmusik an diesem Ort weiterhin möglich sind.
