Oldenburg - Wie kaum ein anderes Meisterwerk des 19. Jahrhunderts führt das Deutsche Requiem von Johannes Brahms unmittelbar zu existenziellen Lebensfragen und in die Auseinandersetzung mit dem Tod. Text und Musik enthalten neben den tragischen und dramatischen Momenten Trost und Gewissheit, und geben somit Lebenskraft spendende Impulse bei den Fragen zur christlichen Transzendenz und zum Leben nach dem Tod.
Die GAG-Chöre – der Schulchor der Graf-Anton-Günther-Schule Oldenburg und der aus Ehemaligen gebildete dortige Kammerchor – singen das Deutsche Requiem beim beeindruckenden Konzert in der Bümmersteder St. Josef-Kirche gemeinsam mit der Sinfonietta Oldenburg unter der souveränen und engagierten Leitung von Oliver Dierks.
Die GAG-Chöre, der Schulchor der Graf-Anton-Günther-Schule Oldenburg und der aus Ehemaligen gebildete dortige Kammerchor singen das Deutsche Requiem beim beeindruckenden Konzert in der Bümmersteder St. Josef-Kirche gemeinsam mit der Sinfonietta Oldenburg unter der Leitung von Oliver Dierks.
Piet Meyer
Ein Großer: Brahms-Denkmal vor der Karlskirche in Wien – der deutsche Komponist, der 1897 mit 63 Jahren in Wien starb, hinterließ 400 Lieder, 121 Instrumentalwerke und vier Sinfonien.
Karsten RöhrKlang-Kaleidoskop
Der Chor entwickelt ein großes Klang-Kaleidoskop, das die zahlreichen und äußerst kontrastreichen emotionalen Stimmungen und Stimmungswechsel dieses außergewöhnlichen Werks des norddeutschen Romantikers wiedergibt. Mit zartem Chorklang stehen zu Beginn und am Ende die Trost spendenden Seligpreisungen und in den mittleren Sätzen entwickelt sich die Auseinandersetzung mit den existenziellen Grundfragen des Lebens und Sterbens über einen schwergewichtigen Trauermarsch hin zu Glaubenszuversicht und jubelnder Siegesgewissheit.
Zart und expressiv
Dierks inspiriert den Chor zu zarter und expressiver Dynamik und zu stimmgewaltigen Ausbrüchen. Dabei gelingt ihm ein ausgewogenes Verhältnis in dem guten, auf die Akustik des runden Kirchenraums abgestimmten Tempo, welches die sieben großartigen Sätze zu einer geschlossenen Einheit führt. Die von Konzertmeister Stefan Latzko zusammengestellte Sinfonietta Oldenburg überzeugt ebenfalls auf der ganzen Linie: Der Klang der Streicher ist warm und geschmeidig, die Bläser präsent und wohlausgewogen, und Harfe sowie Pauke ergänzen das geschlossene und homogene Klangbild.
Tröstende Worte
Die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Elena Harsányi singt mit leuchtender Stimme tröstende Worte, die im weichen Chorklang widerhallen. Bariton Richard Logiewa Stojanovic gestaltet seine dramatisch angelegte Partie hervorragend, mit flexiblem Stimmklang und aufmerksam im Dialog mit dem Chor.
Die beiden großen Chorfugen hat Brahms an dramaturgische Wendepunkte gesetzt.
Bei der ersten türmen sich die gewaltigen Harmonien über einen 36 Takte lang gehaltenen Orgelpunkt. So wie die wechselnden Harmonien auf ihrem Zentralton Halt finden, findet der Gläubige Halt in Gottes Hand. Die zweite Fuge hebt an nach einer beeindruckenden Modulation und drückt den Jubel des Sieges über den Tod aus. Diese dramatisch markanten Punkte gelingen allen hervorragend und wirken, wie die gesamte Aufführung des Requiems, noch lange nach.
