Oldenburg - Corinna Pilny ist zurück aus der kleinen Jubel-Traube, in der sie gerade noch gesteckt hat. Aus allen Richtungen waren die Kolleginnen im Erdgeschoss zusammengelaufen, hatten sich in die Arme genommen und ihre Freude herausgeschrien. Sekunden zuvor war die Nachricht vom Erhalt des Oldenburger Galeria-Standortes per Lautsprecher durchs Haus gehallt. Jetzt steht die Mitarbeiterin wieder hinter der Kasse und macht ihre Arbeit – aber alles ist anders als zuvor. Zu schlimm war ihr die Schließungsnachricht in die Glieder gefahren. Sie zeigt ihre zitternden Hände, in ihren Augen stehen Tränen. Sie sagt: „Wie man gesehen hat: Man kann nur schreien, das ist Erleichterung hoch drei. Ich bin in diesem Jahr seit 30 Jahren hier. Ich habe mich gefragt: Was mache ich bloß?“
Kunden freuen sich
Jetzt löst sich der Knoten. Die Kunden, die an diesem Donnerstagmittag Zeuge werden, freuen sich mit, auch sie haben sich gewünscht, dass es weitergeht mit dem großen Kaufhaus am Rathausmarkt. Eine Kundin sagt: „Dann feiern sie mal schön, herzlichen Glückwunsch!“ So geht es auch Brigitte Luttmann. Beim Bezahlen sagt sie: „Dieses Haus muss erhalten bleiben. Das Sortiment ist so umfangreich und gut, hier kriegt man alles. Wenn sie so etwas dichtmachen, dann ist die Stadt bald tot hier.“ Eine andere Kundin sagt: „Ganz Oldenburg hat mitgezittert, ach, das freut mich für Sie.“ Auch Gabriele Dinklage, die gerade mit ihrem Mann einkauft, freut sich: „Das ist sehr gut so. Vom Markt kann immer mal eben schnell rein, wir finden das schön. Und es freut mich auch für die 70 Mitarbeiter.“
Auch andere Oldenburger hatten sich gewundert, dass das Haus auf der Streichliste gelandet war. Schon der Oberbürgermeister hatte angedeutet, dass das Problem eher im schwierigen Immobilien-Paket von 23 vertraglich zusammengebundenen Häusern liegen könne, als daran, dass der Einzel-Standort Oldenburg deutlich zu schlecht dastünde. Verleger Florian Isensee sagte am Donnerstag: „Man geht ja mit offenen Augen durch andere Städte. Insofern fand ich die Schließungs-Nachricht nicht logisch. Aus meiner Sicht müsste Galeria in Oldenburg zumindest besser klarkommen als in vielen anderen Städten.“
Stimmung aufnehmen
Aber es stelle sich bei einer Schließung auch die Frage: „Was machst du mit so einem riesigen Standort? Es sei ohnehin „ein Wahnsinn“ der Vor-Eigentümer des Warenhauskonzerns gewesen, die Immobilie zu veräußern: „Sie haben einfach ihr Tafelsilber verkauft, so etwas ist nie heldenhaft.“ Zum Glück sei jetzt aber doch genau das passiert, was alle in der Stadt erhofft hätten. Nun gelte es, „konzeptionell so zu arbeiten, dass noch mehr Kunden begeistert werden“. Heute sei aber „ein echter Tag der Freude“. Und schon jetzt sei damit zu rechnen, dass das Haus mit seinen 70 Mitarbeitern – vor 30 Jahren waren es rund 400 – mit einem vermutlich leicht verbesserten Vertrag und einem starken Mieter im Untergeschoss noch besser klarkomme.
Der CMO-Vorsitzende Christoph Baak drückte seine „große Erleichterung“ aus. Auch dem OB und der Wirtschaftsförderung sei zu danken. Jetzt gehe es darum, „das Konzept so zukunftsfähig aufzustellen, dass wir langfristig Galeria am Standort halten können“.
Ralph Wilken, der Leiter der Wirtschaftsförderung, der am Vorabend noch eine Videokonferenz mit dem OB und den Immobilien-Eigentümern hatte, sagte: „Ich glaube, dass es da auch viele Missverständnisse gegeben hat. Für uns ist das eine ganz tolle Nachricht. Diese positive Stimmung muss jetzt aufgenommen werden.“
