Oldenburg - Mit der Grundschule Bürgeresch startet nach den Sommerferien die 16. von 28 Grundschulen in Oldenburg in ein offenes Ganztagsangebot, das damit von der Stadt weiter vorangetrieben wird. Der Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre zeigt: Der Bedarf und die Nachfrage sind da. Wo das Angebot geschaffen wurde, wird es auch angenommen.
Ganztag in Zahlen
So waren es 2015 über die gesamte Stadt verteilt 74,5 Prozent der Schüler an bereits bestehenden Ganztagsgrundschulen, die am Ganztagsangebot auch teilgenommen haben. Dieser Anteil ist bis 2021 auf 81,9 Prozent der Jungen und Mädchen gestiegen. Laut Daten aus dem Sozialmonitoring der Stadt nahmen in Ofenerdiek 2015 39,7 Prozent der Schüler das Ganztagsangebot wahr, 2021 waren es schon 82,2 Prozent, in Kreyenbrück lag die Quote 2015 bei 86,9 Prozent und 2021 bei 100 Prozent.
Auch im Einzugsbereich der Grundschulen Ohmstede (2021: 90,9 Prozent), Nadorst (87,1 Prozent), Heiligengeisttor (86,9 Prozent) sowie Babenend (84 Prozent) sind die Quoten hoch. Am niedrigsten waren sie 2021 in Donnerschwee (67,7 Prozent) sowie an der Grundschule Staakenweg mit 72 Prozent.
An der Grundschule Bürgeresch wird der Ganztag an fünf Wochentagen in Kooperation mit dem Verein für Kinder e.V. gemeinsam organisiert. Da die Stadt Oldenburg vor allem die großen Schulen bereits umgewandelt hat, können aktuell ca. 63 Prozent aller Grundschülerinnen und Grundschüler der Stadt wohnortnah eine Ganztagsgrundschule besuchen und dort die Angebote wahrnehmen. „An anderen Schulen gibt es zusätzlich Angebote in Horten und betreuten Mittagstischen“, so Stadtsprecherin Kim Vredenberg-Fastje.
Schulen im Wandel
Der Ausbau der städtischen Grundschulen zu Ganztagsgrundschulen ist ein langer Prozess: Der Wechsel einer Halbtagsschule in eine Ganztagsgrundschule passiert nicht nur formal. „Hier sind Konzepte und Qualität gefragt. Außerdem muss ein gutes Lern- und Lebensumfeld geschaffen werden. Somit dauert die Planung und letztlich der Neu- und Umbau ca. vier Jahre“, so Vredenberg-Fastje.
Die Schulen würden mit der Umwandlung in eine Ganztagsgrundschule unter anderem eine Mensa mit Speiseraum erhalten, zusätzliche Ganztagsräume müssten geschaffen werden und viele andere wichtige Orte für die Umsetzung der Ganztagsangebote eingerichtet werden. „Hierfür hat die Stadt Oldenburg ein sogenanntes Musterraumprogramm erstellt, welches die Standards vorgibt. Auf dieser Grundlage werden dann die Schulen individuell geplant“, so die Sprecherin weiter.
Die Ganztagsgrundschulen kooperieren mit einem Träger der freien Jugendhilfe im schulischen Angebot und bieten darüber hinaus ebenfalls ein Spätangebot und ein Ferienangebot an. Entscheidungsfreiheit haben die Schulen in der Frage, ob sie als Ganztagsform die offene, teilgebundene oder gebunden Variante wählen. Derzeit haben sich 15 Grundschulen für ein offenes Ganztagsangebot entschieden, nur die Grundschule Kreyenbrück ist eine gebundene Ganztagsschule.
Rechtsanspruch
Geht es perspektivisch um den weiteren Ausbau der Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern, sorgt ein Termin für einen gewissen Druck: Denn zum Schuljahr 2026/2027 soll beginnend für den ersten Schuljahrgang ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt werden. „Die Stadt Oldenburg ist relativ gut aufgestellt, wenngleich es sich um eine große Herausforderung handelt“, findet Vredenberg-Fastje: „Bisher sind nur die bundesgesetzlichen Regelungen bekannt. Es fehlen jedoch Hinweise des Landes auf die Ausgestaltung des Rechtsanspruchs für Niedersachsen.“
Der Rechtsanspruch werde als akutes Thema in der Arbeitsgruppe „Kooperative Ganztagsbildung in Oldenburger Grundschulen“ behandelt. Bezüglich der Ausbaugeschwindigkeit der Ganztagsgrundschulen plant die Verwaltung mit ein bis zwei Schulen jährlich. Mehr Tempo sei nur mit erheblichen finanziellen Mitteln von Bund oder Land machbar.
