Oldenburg - Maurice Ravel wünschte ja nicht, dass man seine Musik interpretiere. Es würde ihm reichen, sie nur zu spielen. Das ist allerdings viel verlangt für solch ein Werk, wie seine Claude Debussy gewidmete Sonate für Violine und Violoncello in a-Moll.
Vom ersten Ton an wird man von der zwischen Dur und Moll schwebenden Ostinato-Motorik gefesselt und Ravel lässt, ohne sich zu verleugnen, seinem Stilgemisch aus Klassik, Jazz, Folklore, bis hin zur Wiener Schule freien Lauf. Er begeistert sich an Kleinigkeiten, plant jedes Detail mit Akribie und fast mathematischer Strenge und versucht eine objektive Reserviertheit aufzubauen, die im absoluten Gegensatz zu den schon fast improvisierend frei klingenden musikantischen Ausbrüchen des zweiten und vierten Satzes dieser Sonate und der tiefen Melancholie des dritten Satzes steht.
Überwältigend gestaltet
Und diese viersätzige Ravel-Sonate findet in der Geigerin Hellen Weiß und dem Cellisten Gabriel Schwabe eine großartige Darstellung: großartig in der Umsetzung der rhythmischen Raffinessen, aber auch in der ans Sinfonische reichenden üppigen Klangfülle und in den vielen kleinen Feinheiten, Flageoletts, Pizzicati und Arpeggien. Es ist überwältigend, mit welcher solistischen Größe Hellen Weiß die technisch vertrackten Rhythmen des Final-Satzes, aber auch die noble Weite und die sich immer mehr verdichtende musikalische Spannung des langsamen Satzes gestaltet. Nicht minder der Cellist Gabriel Schwabe, der mit großem, sonorem Ton die berückenden Kantilenen zeichnet und für den die technischen Herausforderungen dieses Werkes nicht zu existieren scheinen. Atemberaubend, wie die beiden Instrumentalisten den Schluss dieser Sonate, in dem Ravel nochmal alle Themen in einen brodelnden Schmelztiegel zusammengefasst hat, zu einem mitreißenden Ende führen.
Großer Applaus
Und dann ganz anders: das Duo für Violine und Violoncello B-Dur KV 424. Musik mit einem befreienden Lächeln. Mit blühendem Ton, klar und durchsichtig gestaltet, und mit wunderbar herausgespielten Charakteren und Stimmungen in den Schluss-Variationen. Dass diesen beiden großartigen Instrumentalisten dann der stilistische Wechsel zu der Musik von Bohuslav Martinu problemlos gelingt, ist zu erwarten. In seinem zweisätzigen Duo Nr.1 für Violine und Violoncello verzaubern da zunächst die sich auf gleicher Höhe umgarnenden und umschmeichelnden nebulös-geheimnisvollen chromatischen Linien der beiden Instrumente, die dann einer kraftvoll akzentuierten Aussage weichen. Dann ist da aber vor allem das furiose, brillant-virtuose und folkloristisch gefärbte Feuerwerk des zweiten Satzes mit seiner von Doppelgriffen überfrachteten und von Gabriel Schwabe mit intensivem Ausdruck gestalteten Cello-Solokadenz. Hellen Weiß und Gabriel Schwabe spielen dieses leider viel zu selten aufgeführte urwüchsig-musikantische Duo von Bohuslav Martinu genau so, wie man es spielen muss: schonungslos und mit vollem Risiko. Und für den sich entladenden anschließenden großen Applaus bedanken sich die beiden Instrumentalisten dann noch mit einer Canzonette von Reinhold Gliere.
