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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Gräber auf jüdischem Friedhof geschändet

25.11.2013

Oldenburg Erneuter Anschlag auf den jüdischen Friedhof an der Dedestraße: In der Nacht zum Totensonntag wurden acht Gräber und die Trauerhalle großflächig mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Polizei hat bereits einen Tatverdächtigen: Ein 32-Jähriger aus der Neonazi-Szene könnte für die Schändung infrage kommen. Der Oldenburger sei bereits durch rechtsmotivierte Straftaten aufgefallen, sagte Polizeisprecher Mathias Kutzner.

Wo sich der Beschuldigte derzeit aufhält, ist unklar. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurde er am Sonntag nicht angetroffen.

Da von einer politisch motivierten Straftat ausgegangen wird, leitet der Staatsschutz die Ermittlungen.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren waren die Gräber auf dem jüdischen Friedhof mit weißer Farbe verunstaltet worden. Damals hatten Maskierte nachts Farbbeutel geworfen. Ein Polizist, der privat unterwegs war, griff sofort ein. Als Verdächtige ermittelte die Polizei fünf NPD-Mitglieder bzw. -Sympathisanten. Für die Tat wurde 2012 ein 21-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der aktuelle Anschlag war am Sonntagmorgen von einem Friedhofsbesucher bemerkt worden. Für die Polizei geriet schnell der 32-Jährige in Verdacht. Dieser war am Abend zuvor gegen 22 Uhr am Marschweg beobachtet worden, wie er Hakenkreuze an Betonpfeiler der Autobahnbrücke sprühte. Im Umfeld sollen sich noch drei weitere Personen aufgefallen haben. Die von einem Zeugen alarmierte Polizei fasste nur den 32-Jährigen. An Kleidung und Händen hatte er noch schwarze Farbe. Hakenkreuz-Schmierereien entdeckte die Polizei auch bei der IGS Helene-Lange-Schule und am Marschwegstadion.

Nach der Vernehmung durfte der 32-Jährige in der Nacht die Polizeiwache wieder verlassen. Jetzt wird nach ihm und den möglichen Komplizen gesucht.

„Das war ein gezielter Anschlag auf das jüdische Leben in Oldenburg“, bewertet Jehuda W. Wältermann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, den Vorfall gegenüber der NWZ . „Diese Symbole sind nicht als Streich herunterzuspielen oder zu relativieren. Es trifft wiederholt die Jüdische Gemeinde – das hat einen anti-jüdischen Hintergrund.“ Wältermann betont: „Ich möchte dabei ins Bewusstsein rufen, dass die NPD im Stadtrat Oldenburg vertreten ist.“ Erst am 9. November habe man der Opfer der Nationalsozialisten gedacht; aber auch 75 Jahre nach der Pogromnacht passierten noch solche verabscheuungswürdigen Vorfälle, bilanzierte er.

Auf dem jüdischen Friedhof an der Dedestraße befinden sich 230 Grabsteine aus den Jahren 1814 bis 1972. Der Friedhof wurde vor 13 Jahren geschlossen.