Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

1984 auf Beton gesprüht Aus für Liebesgraffito am Pferdemarkt

Oldenburgs vielleicht ältestes Graffito an der Eisenbahnbrücke am Pferdemarkt wird künftig durch Stahlbetonträger verdeckt und nur noch zu erahnen sein.

Oldenburgs vielleicht ältestes Graffito an der Eisenbahnbrücke am Pferdemarkt wird künftig durch Stahlbetonträger verdeckt und nur noch zu erahnen sein.

Torsten von Reeken

Oldenburg - Es war die Liebeserklärung eines verknallten 17-Jährigen an das Mädel, dessen Herz er unbedingt gewinnen wollte: das Graffito „love of my life“ an der Eisenbahnbrücke an der Peterstraße Ecke Ziegelhofstraße. Damals noch in flammenden, kräftigen Farben, ist es mittlerweile verblasst und etwas verunstaltet. Und schon in Kürze wird es kaum bis gar nicht mehr zu sehen sein. Dabei könnte es sich bei der Liebesbotschaft um das älteste Graffito der Stadt handeln.

Liebe auf Waschbeton

Die Liebesbotschaft auf der Waschbetonplatte wurde 1984 aufgesprüht. Damit wollte Marius Tegethoff die Aufmerksamkeit von seiner Angebeteten erregen: Lena Aden – hübsch, ein Jahr älter und bereits mit Freund. Die Chancen standen für Marius Tegethoff also nicht besonders gut, aber das Graffito sollte ein besonderes Geburtstagsgeschenk für seinen Schwarm sein. Das Bild änderte nichts: Die Liebe des jungen Mannes blieb unerwidert. Aber das Graffito blieb und wurde über die Jahre hinweg ein Teil Oldenburgs und vor allem des Pferdemarkt-Areals.

Lehrer erinnert sich

Marius Tegethoff und Birgit Lena Aden im Jahr 1984 und heute sowie das Graffito, das eines der ältesten in der Stadt ist.

Marius Tegethoff und Birgit Lena Aden im Jahr 1984 und heute sowie das Graffito, das eines der ältesten in der Stadt ist.

Jahrelang schlummerte es allerdings im Verborgenen: Efeu hatte die Wand erobert und das Kunstwerk verdeckt. Als die Wand freigelegt war, tauchte das verblasste Graffito wieder auf – und damit die Frage nach der Geschichte hinter der „love of my life“. An dieser Stelle fiel Karsten Friedrichs-Tuchenhagen, 1984 Kunstlehrer an der Liebfrauenschule, wieder ein, wie ihm sein damaliger Schüler Marius Tegethoff erzählt hat, dass er „etwas gestaltet“ habe und er sich das mal angucken könne. Damit brachte der Lehrer die Geschichte ans Tageslicht. Und Tegethoff berichtete unserer Redaktion, wie er in der Nacht auf den 3. Juli, Lenas Geburtstag, auf dem Rahmen seines Dürkopp-Fahrrads stand, um seine Liebesbotschaft auf Waschbeton zu bannen – mit Rückendeckung eines Schulfreundes, der dafür sorgte, dass das Rad nicht umkippte.

(K)ein Fall fürs Museum

Das Graffito an der Eisenbahnbrücke ist also nicht irgendeines. So schätzten das auch der Baukünstler Michael Olsen und Stadtmuseums-Chef Dr. Steffen Wiegmann ein. Die trafen sich sogar schon an der Eisenbahnbrücke, um gemeinsame Überlegungen anzustellen, wie das Bild, das vielleicht sogar das erste Graffito der Stadt oder zumindest eines der ältesten ist, für die Nachwelt erhalten werden kann. Die Waschbetonplatte zu entfernen und ihr im Museum einen Platz zu geben: Das war eine Idee. Doch dann sprühten Bauarbeiter pinkfarbene Markierungspunkte mitten auf das Graffito – der Schaden war angerichtet.

Im Sommer 2021 dann die Entscheidung: Die Platte bleibt an Ort und Stelle und die Sicht darauf wird durch die Stahlträger, die für die Installation der neuen Schallschutzwände an der Bahnstrecke gesetzt werden müssen, etwas beeinträchtigt. „Am westlichen Ende der Pferdemarktbrücke beginnt der Abschnitt der Lärmschutzwände, die entlang der Strecke bis nach Rastede errichtet werden“, hatte dazu eine Bahnsprecherin erklärt. Die Installation der Lärmschutzelemente erfolgt an der Pferdemarktbrücke auf einem eigenständigen Bauwerk aus Stahl mit Fundamenten aus Beton, das direkt vor der eigentlichen Brücke entsteht. Nun zeigt sich: die raumgreifenden Fundamente entstehen direkt vor dem Graffito, das künftig nur mehr zu erahnen, denn zu sehen sein wird.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Ein Wahlplakat des sächsischen SPD-Spitzenkandidaten zur Europawahl, Matthias Ecke hängt an der Schandauer Straße im Stadtteil Striesen an einem Laternenmast. Der sächsische SPD-Spitzenkandidat zur Europawahl, Matthias Ecke, ist beim Plakatieren im Dresdner Stadtteil Striesen angegriffen und schwer verletzt worden. Beim Befestigen von Wahlplakaten am späten Freitagabend schlugen vier Unbekannte auf den 41-Jährigen ein, wie Polizei und Partei am Samstag mitteilten.

SCHUTZ VON POLITIKERN Innenminister wollen schärfere Strafen prüfen

Dpa
Potsdam
Sie geben Orientierung im Evangelischen Krankenhaus (v.l.) Andreas Hoppe, Elli Fitzner, Gertrud Wessel-Terharn und Pastorin Anke Fasse.

EVANGELISCHES KRANKENHAUS IN OLDENBURG Sie geben Orientierung und Sicherheit im Krankenhaus-Dschungel

Anja Biewald
Oldenburg
Kommentar
Oliver Braun

ZUR ABSAGE DES DEMOKRATIEFESTES IN SCHORTENS Ideologiebefreit Probleme lösen

Oliver Braun
Verfolgt seinen Plan: Oldenburgs Cheftrainer Pedro Calles (links) spricht mit Deane Williams.

VOR AUSWÄRTSSPIEL IN ULM Baskets-Coach Pedro Calles blendet Rennen um Platz acht aus

Niklas Benter
Oldenburg
Meinung
Landwirte protestieren am Rande einer Veranstaltung der Grünen. Die Ampel zieht viel Kritik auf sich.

FORDERUNGSKATALOG AUFGESTELLT Darum sind die Landwirte weiterhin wütend auf die Politik

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover