Oldenburg/Hamburg - Ein Kommissar muss tun, was ein Kommissar tun muss: Mörder fangen. Das war auch Wotan Wilke Möhrings Job, als der NDR 2014 endlich ein Tatort-Team mit ihm als Kommissar Falke zum Ermitteln nach Oldenburg schickte. Schließlich hatte man hier auch schon etwas neidisch nach Osnabrück geschielt, wo Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) bereits in ihrem zehnten Fall 2007 ein verschwundenes Mädchen gesucht hatte. Selbst ins Ammerland kam die coole Blondine mit ihrer Pistole schon 2009, verlor allerdings vorübergehend ihr Gedächtnis durch eine retrograden Amnesie nach einem Unfall, ehe sie einen Rauschgiftschmuggel auffliegen ließ. Mindestens eine Szene mit ihrem damaligen Mitbewohner Martin Felser (inzwischen aus der gemeinsamen TV-WG ausgezogen) wurde aber in der Oldenburger Roggemannstraße gedreht. Ein Anfang war also gemacht.

Doch bis April 2014 mussten die Oldenburger noch warten, bis es dann endlich soweit war: Kommissar Thorsten Falke, ein „Bulle“ mit Bauchgefühl und Dreitagebart, rollte in seinem etwas heruntergekommenen Citroen XM über den Stadtring – vorbei am Stadtmuseum, durch die Güterstraße, durch die Rüthning- und durch die Huntestraße. Gedreht wurde unter der Regie von Marvin Kren die 924. Folge unter dem Titel „Die Feigheit des Löwen“, ein Flüchtlingsdrama mit Terror und Folter vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs aus Syrien.

Damals wurde Falke noch von seiner schönen Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) bei der Suche nach dem Mörder eines syrischen Flüchtlingsmädchens unterstützt, das tot im Kofferraum eines Autos gefunden wurde, und die beiden Bundesermittler dadurch auf die Spur eines Schleuser- und Passfälscherringes stießen. Es war nach Langeoog und Wilhelmshaven deren dritter gemeinsamer Fall, in dem sie sich übrigens auch gefährlich nahe kamen.

Nur vier Tage wurde damals in Oldenburg gedreht, der Rest im Studio in Hamburg aufgezeichnet. Wotan Wilke Möhring fand die Szenerie des ehemaligen Fliegerhorstes hier spannend, wo ebenso die Kameras aufgebaut wurden wie in der katholischen Peterkirche. Petra Schmidt-Schaller gefiel der Schlossgarten und sie meinte damals: „Ihr Oldenburger seid ja echt gut drauf.“

Zum Showdown mit großer Knallerei kam es damals übrigens ausgerechnet vor dem Gebäude der Polizeidirektion am Theodor-Tantzen-Platz. Viele Oldenburger nutzten die Chance, um am Set zuzuschauen. Manche Polizisten übernahmen auch kleine Rollen bei der groß angelegten Festnahme zum Finale. Dazu zählte damals Polizeisprecher Stephan Klatte, der sagte, die Tatort-Stars seien alle sehr nett und ohne irgendwelche Allüren.

Oldenburg als Stadt kommt bei diesem Tatort ganz gut weg. Knapp zehn Millionen Menschen sahen die Erstausstrahlung am 30. November 2014 in der ARD. Über die Eisenbahnbrücke am Hafen schaut man in einer der ersten Szenen über das Silo in die Weite eines Sonnenaufgangs – und in der Schlussszene vor dem Abspann durften natürlich die vielen Fahrräder nicht fehlen, die immer vor dem Hauptbahnhof stehen.

Nur eines kommt in dem Film mehr als provinziell rüber, um nicht zu sagen im sechziger oder sogar fünfziger Jahre-Muff: Die Kneipe und das Hotelzimmer, in dem Falke und Lorenz abstürzen – und was auch immer sonst noch tun. Vergilbte Spießertapeten und Kaschemmentheken hinterlassen einen schalen Eindruck. Vielleicht lag es an dieser Nacht, dass Petra Schmidt-Schaller wenig später den Dienst als Katharina Lorenz quittierte.

Die Oldenburger sahen „ihren“ Tatort übrigens schon zehn Tage vor der TV-Ausstrahlung im Casablanca-Kino am Pferdemarkt als Preview, zu der auch Wotan Wilke Möhring in kariertem Hemd, Jeans, dunkler Basecap und schwarzer Lederjacke kam. Auch Regisseur Marvin Kren war dabei, und als Selfie-Staffage sind beide sehr begehrt gewesen. Die NWZ  lud damals 70 Leserinnen und Leser zum Mitschauen ins Kino ein. Auch für sie wurde der rote Teppich ausgerollt. Und die waren ebenso begeistert wie die offiziellen Gäste. Endlich war Oldenburg Tatort-Stadt.