• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Zurück ins Leben gekämpft

19.11.2015

Oldenburg /Dallas „Ich bin noch da“ – so nennt die 36-jährige Inka Nisinbaum ihre Biografie. Dass sie noch lebt, verdankt sie einem Organspender, dessen Lunge und Leber in ihrem Körper seit 2002 alle Aufgaben übernommen haben, die ihre eigenen Organe nicht mehr erfüllen konnten. Inka Nisinbaums Geschichte ist aber auch eine, die Mut macht und zeigt, dass der Wille und der Glaube an sich durch schwere Zeiten tragen können. Es ist aber auch die Geschichte über die Zuversicht, die Familie und Freunde in herausfordernden Zeiten geben.

Inka wurde in Oldenburg als Tochter der Schwimmerin Uta Frommater(-Rasch) geboren, die als Bronze-Medaillengewinnerin der Lagen-Staffel bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt Sportgeschichte schrieb. Als ihr Baby 1979 geboren wurde, eröffneten ihr die Ärzte, dass die Kleine an Mukoviszidose erkrankt ist. Bei dieser zystischen Fibrose handelt es sich um eine der häufigsten, angeborenen Stoffwechselkrankheiten, die nicht heilbar ist. Chronischer Husten, schwere Lungenentzündungen, Verdauungsstörungen und Untergewicht zählen zu den Symptomen. Die Ärzte prognostizierten eine Lebenserwartung von maximal vier Jahren für das Kind.

Wie Inka Nisinbaum in ihrem Buch berichtet, seien die Eltern darauf so erschrocken gewesen, dass sie sogar die vorgesehene Geburtsanzeige in der NWZ  zurückzogen. „Sie wollten keine Glückwunsch-Anrufe bekommen, wenn es im Grunde genommen nichts zu beglückwünschen gab“, schreibt sie in dem Buch.

Dann erwachte der Kampfgeist. Die Eltern wollten diese Prognose nicht hinnehmen. Von Anfang machte das Mädchen viel Sport. Der Vater hatte sich überlegt, dass das Joggen die Atemmuskulatur trainierte und auch den zähen Schleim in der Lunge nach oben transportierte. Und so scheuchte er das Kind die Hauptbahnhofstreppen rauf und runter. Inka Rasch, wie sie damals hieß, absolvierte Kindergarten und Schulen. Obwohl sie immer wieder etliche Monate im Kinderkrankenhaus verbrachte und täglich eine Handvoll Tabletten nehmen musste, machte sie planmäßig Abitur und schrieb sich an der Universität für ein Psychologiestudium ein. Sie war der festen Überzeugung, dass die Mukoviszidose bei ihr anders verlaufen würde.

„Als ich 22 Jahre alt wurde“, so schreibt sie, „war es mit den Plänen für die Zukunft plötzlich vorbei.“

Doch es gab noch eine Chance: eine Transplantation. Doch das hatte sie lange nicht wahrhaben wollen, kämpfte mit sich. Im Juni 2001 informierte sie ihre Freunde per Rundmail darüber, dass sie ihr Studium abbreche und sich für eine Transplantation entschieden hatte. In ihrem Buch beschreibt sie die Wartezeit, das Auf und Ab ihrer Gefühle, bis es endlich soweit war, dass sie im Dezember 2002 in den OP an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) geschoben wurde. Die Ärzte hatten ihr klar gemacht, dass weder eine Lungen- noch eine Lebertransplantation, sondern nur eine kombinierte Organübertragung sie retten würde. In jenen Jahren gab es nur fünf bis sechs davon in Europa. Bis heute ist sie ihrem Spender dankbar, dessen Namen sie nicht kennt. Sie beschreibt auch ihren Weg zurück ins Leben, in einen Beruf und auf einen anderen Kontinent. Heute lebt sie in den USA – in Dallas/Texas. Gegen die Meinung der meisten behandelnden Ärzte wurde sie schwanger und im vergangenen Jahr Mutter ihres Sohnes Noam.

Dr. Holger Köster, Leiter der Mukoviszidose Ambulanz und Leitender Oberarzt am Klinikum Oldenburg, hat Inka Nisinbaum eingeladen, am 25. November ab 15 Uhr im Herzogin-Ameli-Saal in der Reihe „Leselust“ des Klinikums zu lesen.

Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.