Oldenburg - Trauer und Bestürzung waren groß, als vor rund einem halben Jahr in der Straße Duvenhorst ein 81-jähriger Anwohner durch ein rückwärts einfahrendes Fahrzeug der städtischen Müllabfuhr erfasst wurde und wenig später im Krankenhaus verstarb. Der Unglücksfall warf damals die grundsätzliche Frage auf, mit welcher Maßgabe die Entsorgungsfahrzeuge unterwegs sind, und wie sich die Fahrer vor allem bei schwierigen oder schlecht einsehbaren Straßen und Zufahrten zu verhalten haben.

„Ich habe schon das Gefühl, dass die Sensibilität der Müllfahrer und der Einweiser für diesen Bereich noch mal gestiegen ist“, stellt Helmut Tiedken fest. Der Pensionär wohnt seit 1975 am Duvenhorst und beobachtet regelmäßig die Gepflogenheiten der Entsorgungsmitarbeiter, die bis zu dreimal in der Woche die verschiedenen Tonnen leeren. „Natürlich ist es in der Sackgasse immer eine besondere Situation“, sagt der ehemalige Kripochef in der Oldenburger Dienststelle.

Am Ende der Sackgasse befindet sich ein Wendebereich. Seit November ist das Parken dort während der Abfuhrtermine montags, donnerstags und freitags in der Zeit zwischen 7 und 12 Uhr verboten, worauf vier Schilder deutlich sichtbar hinweisen. „Sie wurden nach dem Unglücksfall hier montiert. Man hält sich daran“, bestätigt Tiedken.

Grete Buß ist ebenfalls am Duvenhorst zu Hause, wenn auch erst seit 2015. Auch sie kann verstehen, dass eine schmale Straße wie diese Sackgasse eine besondere Herausforderung für die Müllmänner ist, allerdings wünscht sie sich allgemein mehr Rücksichtnahme.

Der Blick auf die Verkehrssituation am Duvenhorst ist seit November naturgemäß ein anderer. „Mein Blick fällt immer wieder auf die Stelle, wo der alte Mann zu Tode kam und dann muss ich daran denken“, verrät Grete Buß.

Nach Einschätzung der Polizeidirektion und der Stadtverwaltung kommt es selten zu Unfällen mit Entsorgungsfahrzeugen. Die Gesetzliche Unfallversicherung, Entsorger und Verdi hatten zum Januar 2017 eine Branchenregel „Abfallsammlung“ vereinbart, wonach Rückwärtsfahrten vermieden werden sollen.

Subjektiv sehen die Vertreter der Bürgervereine keine erhöhte Gefahrenlage durch die regelmäßige Müllabfuhr. „Man weiß ja, wo man wohnt und wie die Straßensituation ist. Entsprechend kann man sich darauf einstellen“, stellt Franz Norrenbrock, Vorsitzender des Bürgervereins Bürgerfelde, fest. Müssten Anwohner ihre Tonnen gegebenenfalls an eine entfernter gelegene Straße oder zu einem Sammelplatz bringen, hält er dies für zumutbar. „Wer das nicht schafft, muss jemanden damit beauftragen.“

Maria Bollerslev aus dem Stadtsüden sieht ebenfalls keine erhöhte Gefahrenlage, wenn die Müllabfuhr kommt. „Ich ärgere mich mehr über die fehlende Disziplin mancher Anwohner, die ihre Tonnen in eng bebauten Wohngebieten nicht an den Rand, sondern fast auf die Straße stellen“, hat die Vereinsvorsitzende Kreyenbrück/Bümmerstede beobachtet.

Für Gustav Backhuß-Büsing ist eher die Vielzahl der Tonnen und die Abholung an mehreren Tagen das Problem. „Wir stehen hier aber im regelmäßigen Austausch mit der Stadtverwaltung und wissen, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb sein Konzept überarbeitet“, sagt der engagierte Bürger aus Etzhorn.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)