Im Nordwesten - Eine Pfeffermühle, eine alte Ölflasche und eine Flasche, in der vermutlich einmal Schnaps eingefüllt war – falsch: Es handelt sich nicht um harmlose Alltagsgegenstände, sondern um Granaten und Minen aus dem Zweiten Weltkrieg, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sehen. Der aktuelle Fall eines Fünfjährigen, der eine Handgranate mit nach Hause genommen hat, weil er sie für einen Stein hielt, zeigt: Auch heute noch sind Funde von Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg möglich.
Tomas Hauschild von der Außenstelle Wardenburg des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen hat für das Gespräch mit unserer Redaktion bewusst Kampfmittel herausgesucht, die mit Alltagsgegenständen verwechselt werden können. Denn die Sprengkörper können auch heute noch detonieren und Menschen schwer verletzen oder töten. „Die kleinste Berührung oder Verlagerung kann eine Explosion auslösen“, warnt Hauschild. Deswegen gilt: Bei einem Verdacht nicht weiterbuddeln, sondern sofort die Polizei verständigen.
Im Zweiten Weltkrieg wurden 1,3 bis 1,4 Millionen Tonnen Bomben über Deutschland abgeworfen. Experten vermuten dabei eine Blindgängerquote von zehn bis 20 Prozent.
In Niedersachsen hat der Kampfmittelräumdienst innerhalb der vergangenen zehn Jahre 940,2 Tonnen Kampfmittel bergen können – darunter 817 Bomben über 50 Kilogramm.
Vergleichsweise wenig durch Privatpersonen gemeldete Kampfmittelfunde sind in Oldenburg bekannt. Hier mussten in den vergangenen vier Jahren lediglich vier Kampfmittel unschädlich gemacht werden.
Risiko im Holz
Auf dem Tisch besonders auffällig ist ein Stück Holz, das um ein Zwei-Zentimeter-Geschoss herumgewachsen ist. „Dies war das meist verwendete Sprenggeschoss im Zweiten Weltkrieg und wurde von allen Kriegsparteien genutzt“, weiß Hauschild. Auch wenn sie nicht groß sind, die Splitterwirkung ist verheerend. Dazu kommt, dass vor allem bei verrosteten Kampfmitteln schwer zu erkennen ist, welcher Zünder verwendet wurde und in welchem Zustand dieser ist. Da es so klein ist, ist es auch möglich, dass es im Holz verwachsen ist – mit fatalen Folgen: „Es ist schon passiert, dass nicht untersuchtes Holz in den Ofen getan wurde, und dann ein solches Geschoss explodiert ist“, berichtet Hauschild. Bei Holz vom Händler kann dies jedoch nicht passieren: Das Holz wird vorher auf Metall untersucht, auch um die Sägen zu schützen.
Gefahr in Stadt Oldenburg gering
Die Gefahr, auf Kampfmittel zu treffen, schätzt Hauschild für die Stadt Oldenburg als relativ gering ein: „Oldenburg wurde kampflos übergeben und die Bombenangriffe haben sich vorwiegend auf den Fliegerhorst, das Bahndammgelände in Krusenbusch und den Bahnhof beschränkt“, blickt Hauschild zurück. Möglich seien Funde theoretisch jedoch überall, aus einem ganz einfachen Grund: „Nach dem Krieg durfte niemand Waffen besitzen, also haben sich viele Soldaten ihrer Waffe samt Munition entledigt und sie entweder vergraben oder in ein Gewässer geworfen“, sagt Hauschild.
Dokumentation von Abwürfen und Funden lückenhaft
„Die letzte Bombe oder Granate wird nie gefunden werden“, sagt Hauschild. Das klingt erstmal pessimistisch, ist aber nur realistisch. Denn während des Krieges und in den Jahren danach, bis 1955, wurden Funde und Entschärfungen nicht oder nur ungenau dokumentiert. Allein die Menge an Bomben, die im Zweiten Weltkrieg über Deutschland abgeworfen wurde, und die Tatsache, dass laut Schätzungen zehn bis 20 Prozent davon Blindgänger sind, lassen das Vorhaben, irgendwann alle Kampfmittel gefunden zu haben, unmöglich erscheinen. Es bleibt nur, alles dafür zu tun, damit die Altlasten verschwinden: „Bei jeder Baumaßnahme mit einem Bodeneingriff sollte zur Gewährleistung der Baugrundsicherheit eine Kampfmittelerkundung gemacht werden“, sagt Hauschild.
So gefährlich Verwechslungen sein können, gibt es auch den umgekehrten Fall: „Es kommt manchmal vor, dass Leute beim Graben vermuten, auf eine Tellermine gestoßen zu sein. Dabei handelt es sich jedoch oft um einen alten Schirmständer“, berichtet Hauschild.

