Oldenburg - Haya Molcho ist eine herzliche und positive Frau, die durch ihre Art zu erzählen Menschen mitreißen kann. Doch wird sie zur Situation in Israel befragt, brechen sich andere Emotionen Bahn: Wut, Angst, Trauer. Die prominente Köchin und Unternehmerin muss dann mitunter mit den Tränen kämpfen – im Interview für die Reihe „Herbstgäste“ bei Radio Bremen Zwei am Mittwochabend im Oldenburger Theater Laboratorium und vorab im Gespräch mit unserer Redaktion.
Sie und ihr Mann Samy Molcho, ein berühmter Pantomime, der in Oldenburg mit dabei ist, haben in den vergangenen Wochen viel mit der alten Heimat telefoniert. Haya Molcho ist in Tel Aviv geboren und hat ihre Kindheit dort verbracht, bis sie im Alter von neun Jahren nach Bremen zog. „Wir haben allen angeboten, zu uns nach Wien zu kommen, wir haben ein großes Haus – niemand ist gekommen.“ Zu groß sei der Wille der Israelis, in dieser schweren Zeit vor Ort zusammenzuhalten und zu helfen.
Hörte im Publikum zu: Haya Molchos Ehemann Samy Molcho
Israels Weltküche
Die 68-Jährige hat ihre Art zu kochen und mit den Menschen zu arbeiten stets ein Stück weit aufs Leben übertragen. Israels Küche beschreibt sie als Weltküche mit Einflüssen aus zahlreichen Kulturen, auch aus der arabischen Welt. Ihre Mitarbeiter kommen aus aller Herren Länder und Glaubensrichtungen. Haya Molcho steht für ein friedliches Hummus-Essen, das Israel und Palästina an einen Tisch bringt, heißt es in einer Rezension zu einem ihrer Kochbücher. Sie hat palästinensische Freunde und Lieferanten aus dem Westjordanland. „Frieden in der Küche ist eine Philosophie“, sagt sie.
Haya Molcho wurde 1955 als Haya Heinrich in Tel Aviv geboren. Im Alter von neun Jahren kam sie nach Bremen, wo sie die Schule absolvierte und später studierte. 1978 heiratete sie den Pantomimen Samy Molcho (87) und tourte mit ihm um die Welt.
Mit einem Catering ging 2003 Haya Molchos gastronomische Karriere los. 2009 eröffnete sie am Wiener Naschmarkt ihr erstes Restaurant „NENI“. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer vier Söhne Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan zusammen. Drei von ihnen sind direkt im Familienunternehmen aktiv, das mittlerweile aus zahlreichen Restaurants in mehreren Ländern besteht und diverse Produkte wie Hummus vertreibt.
Einem breiten Publikum in Deutschland ist Molcho bekannt geworden durch verschiedene TV-Auftritte in den vergangenen Jahren. Unter anderem duellierte sie sich mit Tim Mälzer beim Kochwettbewerb „Kitchen Impossible“.
Zu hören ist das Radiointerview mit Haya Molcho auf dem Sender Bremen Zwei an diesem Freitag, 10. November, ab 18 Uhr. Die nächsten Herbstgäste in Oldenburg sind am 14. November Sabine Kuegler und am 21. November Wigald Boning (jeweils ab 19 Uhr im Theater Laboratorium)
Ihre Wut richtet sie daher bewusst nicht gegen „die Palästinenser“, sondern gegen die Hamas. Auch ihr Mann Samy Molcho sieht das Problem bei den Terrorherrschern aus dem Gazastreifen, „die die Bevölkerung als Waffen einsetzen für ihre Interessen“. Das Ehepaar stellt nicht infrage, dass auch die Palästinenser leiden, dass auch sie Rechte haben. „Die Hamas ist das Problem, nicht die palästinensische Bevölkerung“, sagt Haya Molcho. Sie wünscht den Menschen eine Führung, die ohne Hass agiert.
Antisemitismus
Was die Molchos ebenfalls trifft, ist der Antisemitismus, der im Zuge des Konflikts verstärkt zutage tritt. In ihrem Leben sind auch sie damit schon immer mal konfrontiert gewesen. Als Schülerin in Bremen erlebte Haya Molcho einen Lehrer, der mit ihr als Jüdin nicht sprechen wollte. Ihr Mann erinnert sich an eine Künstlergarderobe, in dem ihm benutztes Toilettenpapier bereitgestellt wurde. Inzwischen haben die beiden einen Enkel, und es sorgt sie merklich, dass der Junge in eine Welt hineingeboren wurde, in der Hass auf Juden wieder ein großes Thema ist. „Nie wieder“, – die Botschaft derer, die das Grauen des Holocaust nicht in Vergessenheit geraten lassen, ist ihnen wichtiger denn je.
„Es braucht ganz viel Aufklärung“, meint Haya Molcho. Die sozialen Netzwerke mit ihren vielen Halbwahrheiten und Falschmeldungen vermittelten kein Wissen, Samy Molcho nennt sie „ein gefährliches Spinnennetz“. Seine Frau lobt Initiativen, in denen Palästinenser und Israelis gemeinsam an Schulen gehen. Und sie lobt Tim Mälzer. Der bekannte TV-Koch sei der erste Kollege gewesen, der sich nach dem Hamas-Überfall bei ihr gemeldet habe. Nun habe er sie eingeladen, in seinem Podcast über Antisemitismus zu sprechen. „Dass er seine Reichweite nutzen möchte, um dieses Thema präsent zu machen, rechne ich ihm hoch an.“
